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Drei TR-Thesen zur DRV-XV-Niederlage gegen Russland in Köln
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Sonntag, 18. März 2018

Am Ende stand gegen Russland eine klare 3:57 Niederlage - der Blick muss nun nach vorne gehen. Foto (c) Keßler
Am Ende stand gegen Russland eine klare 3:57 Niederlage - der Blick muss nun nach vorne gehen. Foto (c) Keßler

Es war die fünfte Niederlage der DRV XV im fünften Spiel: Gegen die Russen konnte die deutsche Mannschaft lediglich phasenweise mithalten. Das Resultat war eine am Ende erneut deutliche Niederlage - nun steht der Gang in die Relegation an. Das stand allerdings bereits vor dem Spiel fest. Jetzt muss ein Strich unter die REC-Spiele gezogen werden und der Blick nach vorne gerichtet werden. Am 28. April geht es im Relegationsspiel um das nackte Überleben in Europas höchster Spielkasse.

Woran es mangelt ist klar, nun gilt es die 6 Wochen bis zum Relegationsspiel zu nutzen

Es war wohl die kämpferisch beste deutsche Leistung über diese Rugby Europe Championship hinweg und das mit dem nominell schwächsten Kader. Gleich mit dem Ankick konnte sich die DRV XV in der russischen Hälfte festsetzen und die extrem erfahrenen Russen, bei denen die Hälfte des Kaders jenseits der dreißig Lebensjahre anzusiedeln war, unter Druck setzen. Freilich endete der erste Ausflug in die 22, den Innen Pascal Fischer mit seinem Durchbruch initiiert hatte, mit einem Vorball wenige Meter vor der Mallinie. Doch während man derlei Ausflüge in Rumänien oder Belgien gänzlich vermisst hatte, gab es heute zumindest phasenweise konstruktives Angriffsspiel der deutschen XV zu sehen.

Schlussendlich war Deutschland auch am heutigen Tag chancenlos - gegen den physisch übermächtigen russischen Sturm hatte das deutsche Pendant keinerlei Mittel. Im Schnitt waren die Gäste im Sturm locker zehn Kilo schwerer, was sich an den Kontaktpunkten mehr als deutlich zeigte. Meist hatten die Russen wenig Mühe sich den Weg über die Vorteilslinie zu bahnen, während das dem deutschen Sturm selten gelingen wollte. Gerade vor der deutschen Linie hatten die Russen zu einfaches Spiel und kamen zu vergleichsweise leichten Versuchen.

Natürlich kann man auch mit einem leichteren Sturm durchaus gegen physisch überlegene Gegenspieler bestehen, so wie das die Schotten gegen England bei den Six Nations bewiesen haben. Doch dann muss man das Plus an Mobilität nutzen: In der Defensive gilt es dann blitzschnell aufzurücken und dem Gegner so keinen Raum zu bieten, um Anlauf zu nehmen. Außerdem ist man mit einem leichten Sturm fast schon dazu verdammt sein Heil in den Offenen zu suchen und dort möglichst viele Bälle zu klauen, oder zumindest den Angriff langsam zu machen.

Beides geschah heute nicht und dazu war das deutsche Gedränge seinem russischen Pendant hoffnungslos unterlegen, was zu Straftritt um Straftritt führte. Die Standards bleiben also das deutsche Sorgenkind - während in der Gasse heute weniger Bälle verloren gingen, als in den letzten Wochen, war das Gedränge mit das größte deutsche Manko in Köln. Mit Matthias Schösser, der entscheidend daran beteiligt war, dass in Madrid Parität beim Scrum herrschte und Julius Nostadt dürfte es gegen körperlich weitaus weniger dominante Portugiesen besser aussehen.

Das Spiel der deutschen Dreiviertelreihe bot mehr Grund zur Hoffnung. Die Kombination aus Piosik und Paine, zwei Neunern auf den beiden Spielmacher-Positionen funktioniert ordentlich. Pascal Fischer und Christopher Korn auf den Innen-Positionen sorgten für deutlich mehr Gefahr, als das in den letzten Wochen der Fall war. Doch die zahlreichen Durchbrüche konnten nicht zu Ende gespielt werden. Manchmal mangelte es am nötigen Support, manchmal an der Präzision. Beides wird unglaublich wichtig sein, um gegen Portugal bestehen zu können.

Nach dem Abpfiff war der Tenor unter den Spielern der DRV XV eindeutig: Uns steht ein hartes Stück Arbeit bevor, aber wir können und werden gegen Portugal gewinnen. Die sechs Wochen bis dahin geben Pablo Lemoine noch einmal genauso viel Zeit, um die deutsche Mannschaft vorzubereiten, wie er bisher seit seinem Amtsantritt hatte. Es wird unglaublich viel akribischer Arbeit in der Vorbereitung bedürfen. Genauso aber, so war von zahlreichen Spielern nach dem Abpfiff zu hören, werden Fortschritte im physischen und konditionellen Bereich nötig sein.

Nach 5 Niederlagen wird die Psyche gegen selbstbewusste Portugiesen ein Faktor

Der 28. April wird über das Schicksal der DRV XV entscheiden - noch steht nicht fest wo, aber unsere Nationalmannschaft wird daheim gegen Portugal im Relegations-Duell gewinnen müssen, um die Klasse zu halten. Genau wie das den Belgiern im Vorjahr gelungen war, die heute völlig überraschend gegen Spanien gewonnen haben.

Die Tatsache, dass Portugal nach fünf Siegen in Folge mit äußerst breiter Brust anreisen wird, macht die Sache sicherlich nicht einfacher. Denn unsere DRV XV ist in den letzten Wochen bekanntermaßen von Rückschlag zu Rückschlag getaumelt, was nicht zwingend förderlich für das Selbstbewusstsein der deutschen Fünfzehn gewesen ist. Bis dahin bleibt viel Zeit zum trainieren, aber gemeinsame Spielzeit unter Wettkampfbedingungen wird sich der deutschen Mannschaft nicht bieten.

Deshalb liegt es auch an den Spielern, die noch zur Mannschaft dazustoßen werden, alles dafür zu geben, dass dieses Team positiv an die Aufgabe herangeht. Heute in Köln war den Gesichtern der Spieler mit dem Adler auf der Brust abzulesen, wie es gerade lief. Die gelbe Karte für Stefan Mau wirkte stark demoralisierend und so spielte die DRV XV dann auch. Gelang aber einmal eine Aktion, wie nach den Durchbrüchen von Korn und Fischer waren die deutschen Spieler hellwach und hatten Oberwasser. Klar sind solche Reaktionen natürlich, aber die Negativität darf nicht Überhand nehmen, der Glaube an sich und seine Chance muss immer da sein. Da können gestandene Profis, wie unsere Frankreich-Legionäre, oder unsere Siebener-Asse viel bewirken.

 

 

Genauso wichtig wird die Rolle des deutschen Publikums sein - der Heimvorteil wird ein Faktor sein. Auch heute hat man gemerkt, nach ein oder zwei gelungenen Aktionen war das deutsche Publikum da. Das merkt die eigene Mannschaft, die durch die Anfeuerung nach vorne getrieben wird. Das merkt aber auch der Gegner, der zu allem Überfluss gegen das Stadion spielt. Am 28. April gilt es also, Deutschlands Rugby-Community muss, wo auch immer dieses Spiel stattfinden mag, seine Rugby-Nationalmannschaft nach bedingungslos nach vorne peitschen.

In der Relegation brauchen wir 23 Spieler, die sich für das Trikot mit dem Adler zerreißen

Nicht mehr und nicht weniger. Die Vorbereitungszeit wird mehr als genügend sein und Coach Pablo Lemoine wird seine Mannschaft optimal einstellen können. Die chaotische Zeit zwischen dem November-Rückzug und dem ersten REC-Spiel Anfang Februar ist Geschichte. Wer am Ende für Deutschland auflaufen wird, steht heute wohl noch in den Sternen. Es werden am Ende 23 Spieler sein müssen, die stolz darauf sind Rugby-Deutschland zu repräsentieren. Fans, Spieler und Offizielle werden zusammenrücken und die Kräfte bündeln müssen, um Deutschland in Europas höchster Spielklasse zu halten. Nach vielen Jahren der Fortschritte geht  Rugby-Deutschland sonst wieder einen entscheidenden Schritt zurück.

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Kommentare (2)add comment

Christian Kluge said:

3439
Wieso denn zereißen?
Ich dachte, wir brauchen gesunde Spieler und nicht zerissene.
März 18, 2018

Walter Sill said:

334
...
Was wir brauchen ist Miraculix mit seinem Zaubertrank, sonst wird das nichts. Der Artikel ist für mich wie das Pfeifen im Walde...
März 19, 2018

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