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Perry Baker führt USA mit „Versuch für die Ewigkeit“ zum ersten Heimsieg in Vegas
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Montag, 5. März 2018

Heim-Triumph für die US-Boys in Vegas. Der andere ovale Ballsport ist in den USA weiter auf Wachstumskurs. Foto (c) World Rugby Instagram
Heim-Triumph für die US-Boys in Vegas. Der andere ovale Ballsport ist in den USA weiter auf Wachstumskurs. Foto (c) World Rugby Instagram

Der Triumph in Las Vegas war für die US-Amerikaner der erst zweite in der Sevens World Series überhaupt. Trotz Personalsorgen und nach einem holprigen bisherigen Saisonverlauf konnte der Olympia-Neunte seine Fans endlich daheim belohnen. Keine fünf Monate vor der Heim-WM in San Francisco könnte es nun nicht besser stehen um die Medaillen-Chancen der Gastgeber. Allen voran war Perry Baker brillierte wieder Mal als Top-Scorer und absoluter Star des Turniers und erzielte dabei einen Versuch für die Ewigkeit.

Was für ein Triumph es für die Amerikaner war und das nachdem die Saison für die US-Boys von Coach Mike Friday beim ersten World-Series-Turnier der Saison in Dubai nicht hätte schlechter beginnen können. In den Emiraten hatten sie es trotz aller Fortschritte in den vergangen Jahren tatsächlich vollbracht Letzter zu werden. Nachdem die Formkurve im Saisonverlauf stetig nach oben zeigte, gelang den USA beim nunmehr fünften Turnier der Saison am frühen heutigen Morgen deutscher Zeit der erst zweite World-Series-Turniersieg ihrer Geschichte überhaupt - und das ausgerechnet bei ihrem Heimturnier in Vegas. Dabei fehlte mit Madison Hughes der etatmäßige Spielmacher und im Turnierverlauf fiel auch Star-Innen Maka Unufe aus.

Auf Superstar Perry Baker war jedoch erneut Verlass - der Rugby-Spätstarter hat sich seit seinem World-Series-Debüt 2014 zum absoluten Überspieler der Serie gemausert. Anfangs lediglicher als Speedster und Finisher bekannt, hat er sich mittlerweile auch als Rugby-Spieler extrem weiterentwickelt und gänzt auch mit Offloads und sicheren Tackles - kein Wunder, dass er Carlin Isles längst den Rang im US-Team abgelaufen hat. Doch am besten kann er immer noch Versuche nach Belieben legen: Am Wochenende in Vegas gelangen ihm sage und schreibe acht davon und das in nur sechs Spielen, womit er seine Bilanz auf 25 in dieser Saison hochschrauben konnte. Darunter auch so wichtige Scores wie sein Doppelpack im Finale gegen Argentinien, den er mit seinem Tänzchen mit der Pumas-Defensive und dem entscheidenden Offload auf Danny Barrett zum dritten US-Touchdown veredelte.

Der Versuch, der jedoch weit über dieses Turnier in Erinnerung bleiben wird, ist derjenige im Viertelfinale gegen Olympiasieger Fidschi. Über sage und schreibe 126 Meter bahnte sich Baker seinen Weg zickzack von der eigenen Mallinie bis ins gegnerische Malfeld. Sprichwörtlich mit dem Rücken zur Wand an den eigenen Stangen und mit vier Fidschis, die auf ihn zustürmten setzte der 31-jährige zum Sprint seines Lebens an. Was danach geschah wurde wahlweise „Wahnsinnsversuch“ (CNN), „ein Gedicht von einem Versuch“ (Midi Olympique/Frankreich) oder „einer der besten Versuche in der Geschichte unseres Sports“ (Guardian/England) genannt.

 



Baker war einst als College Wide Receiver vom amtierenden Super-Bowl-Sieger Philadelphia Eagles über den Draft verpflichtet worden. Eine langwierige Knie-Verletzung beendete jedoch jegliche Hoffnung Bakers auf eine NFL-Karriere. Noch bereits bevor er allerdings im Draft von den Eagles verpflichtet wurde, hatte Baker erste Erfahrungen mit dem Rugbysport gemacht. In seiner Heimat Daytona Beach in Florida spielte er mit seinem lokalen Team „Coconuts“ in einer der vielen Florida-Ligen. Von den USA als schlafendem Riesen des Rugbys wird seit langem gesprochen - die Frage ist, wie viele Bakers sich noch in den mittlerweile über 3.000 Vereinen und 800 College-Teams der Vereinigten Staaten verstecken.

Denn Bakers unerhörtes Talent wurde verwunderlicherweise nicht direkt entdeckt - er musste sich erst als Security Guard und Justizhelfer, als der er unter anderem Urinproben abnehmen musste, durch sein Kriminologie-Studium kämpfen, bevor er 2014 im Alter von bereits 27 Jahren einen Vertrag im Siebener-Programm der USA erhielt. Mit dem wachsenden Profil des Sports im Lande, der stark steigenden Spielerzahl und den überall im Land aufsprießenden Rugby-Akademien, wie beispielsweise derjenigen der Siebener-Legenden Ben Gollings und Waisele Serevi in Seattle, die seit 2012 in Betrieb ist, dürfte der nächste Baker in den USA nicht dermaßen lange unentdeckt bleiben.

Baker selbst hat noch einige erfolgreiche Jahre auf der World Series vor sich, denn die Knie-Verletzung, die ihm einst eine NFL-Karriere zu Nichte gemacht hatte, plagt ihn seit einiger Zeit nicht mehr. Sein sportliches Ziel sind zumindest noch die olympischen Spiele in Tokio. Der aufgrund seiner streichholzförmigen Beine „Speedstick“ genannte Baker hat aber auch schon ein berufliches Ziel nach seiner Sport-Karriere.

Nachdem sein bester Freund im Alter von nur acht Jahren ermordet im Kofferraum eines PKWs aufgefunden wurde und Baker in sehr jungen Jahren vor Gericht aussagen musste, ist ihm seine spätere Berufung früh klar geworden. Nach seinem Kriminologie-Studium absolvierte er im letzten Sommer ein Praktikum beim New York Police Department. Die Vorstellung, dass Kriminelle vor Baker, dessen persönliche Bestzeit auf 100m bei 10,5 Sekunden liegt, versuchen wegzurennen, dürfte Rugby-Fans durchaus erheitern.

 

Baker ist mittlerweile nicht mehr nur Finisher sondern auch Assist-Geber

Wie es mit Baker auf und neben dem Feld weitergeht zeichnet sich also klar ab. Wie sich der Rugby-Boom in den USA weiterentwickelt, wird sich in den nächsten Monaten ebenso klarer abzeichnen. Bereits vor der Siebener-WM in San Francisco im Juli werden Wales und die Springboks im 50.000 Zuschauer fassenden Kennedy-Stadion von Washington spielen. Und bereits davor wird die Major League Rugby, der zweite Versuch eine professionelle Rugby-Liga in den Staaten zu etablieren, an den Start gehen.

Das Turnier in Vegas dürfte ebenso weiter wachsen, denn in der Wüsten-Metropole Nevadas wird gerade ein neues 65.000 Zuschauer fassendes NFL-Stadion gebaut, das künftig auch die Heimat des World-Series-Turniers werden wird. Nachdem sich in den letzten Jahren bereits um die 80.000 Zuschauer im Turnierverlauf durch die Tore des Sam Boyd Stadium gegangen sind, dürfte diese Zahl künftig nur noch mehr wachsen. Denn während das bisher genutzte College-Football-Stadion ganze 17 km außerhalb des Zentrums liegt, wird die künftige Heimat im Herzen der Glücksspielmetropole direkt am Strip liegen. Die Mär vom schlafenden Rugby-Riesen USA scheint sich mehr und mehr zu bewahrheiten und ein Mann mit Streichholz-Beinen ist sein unwahrscheinlicher Posterboy.

 

 

Die bisherige Heimat der USA Sevens am Rand von Las Vegas hat ausgedient, 2020 zieht das Turnier ins nagelneue NFL-Stadion am Strip

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