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Gewalt-Exzess beim Brandenburg-Derby in der zweiten Bundesliga
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Dienstag, 2. Mai 2017

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In Nord-Brandenburg wird Rugby gelebt. Doch die Leidenschaft für den Sport schoss am Wochenende dramatisch übers Ziel hinaus.

„Rugby ist ein Sport für Hooligans, gespielt von Gentlemen.“ Dieser fast schon zur Plattitüde verkommene Leitsatz der weltweiten Rugbyszene wird auch in Rugby-Deutschland gern und häufig aufgegriffen, um sich gegenüber anderen Sportarten abzugrenzen und zu zeigen, welche Werte beim Rugby vermittelt werden. Es gehe dabei u.a. um Teamgeist und Respekt gegenüber Gegner und Schiedsrichter wird ein ums andere Mal angeführt. Gerade im deutschen Amateur-Rugby wird man nie müde, diese Vorzüge unserer Sportart zu betonen.


„Rugby ist ein Sport für Hooligans, gespielt von Gentlemen.“ Dieser Leitsatz der weltweiten Rugbyszene wird auch in Rugby-Deutschland gern und häufig aufgegriffen, um sich gegenüber anderen Sportarten abzugrenzen und zu zeigen, welche Werte beim Rugby vermittelt werden. Es gehe dabei u.a. um Teamgeist und Respekt gegenüber Gegner und Schiedsrichter wird ein ums andere Mal angeführt. Gerade im deutschen Amateur-Rugby wird man nie müde, diese Vorzüge unserer Sportart zu betonen.

Leider schienen bei einem Spiel der 2. Bundesliga Ost am vergangenen Samstag viele Beteiligte diese ruhmreiche und ehrenvolle Tradition vergessen zu haben. Doch was war passiert? Der Veltener RC empfing im Spiel um den Anschluss an die Tabellenspitze den Lokalrivalen USV Potsdam. Normalerweise sollte dieses Brandenburg-Derby viel Spannung und vor allem schnelle Spielzüge mit sich bringen, da beide Teams über wendige Dreiviertelreihen verfügen und für ihr schnelles Spiel bekannt sind. An diesem Samstag war aber scheinbar nichts, wie es sein sollte.

Verfolger Potsdam konnte beim Tabellen-Zweiten Velten lediglich mit 14 Mann antreten. Soweit, so normal in Rugby-Deutschland. Da der Gast gemäß §5 der Bundesliga-Richtlinie auch ausreichend Erste-Reihe-Stürmer aufbringen konnte – insgesamt gar 6 Stück – um das Spiel regelgemäß durch Schiedsrichter Ulf Jeremies anpfeifen zu lassen, ging zuerst alles seinen gewohnten Gang.

Den Gastgebern konnte man anmerken, dass sie vor heimischem Publikum unbedingt gewinnen wollten und sie legten folgerichtig auch los wie die Feuerwehr. Nach nur 10 Minuten fiel der erste Versuch und weitere 15 Minuten später der zweite für den Favoriten Velten. Potsdam konnte in der Folge kämpferisch besser dagegenhalten, aber die Qualität des Spiels verflachte zusehends. Zahlreiche Straftritte, v.a. gegen die Veltener, reihten sich nun aneinander. Potsdam konnte kurz vor der Halbzeitpause noch mit einem Versuch und einem Straftritt auf 15:8 herankommen.

Weiterhin in Unterzahl spielend erzielten die Gäste nach der Pause über ihre flinke Dreiviertelreihe drei lupenreine Versuche zum 15:29 Zwischenstand. Mehr und mehr rückte nun das Schiedsrichter-Gespann in den Fokus der Kritik einiger Veltener Spieler. Was dann aber 20 Minuten vor Schluss passierte, kann zweifelsohne als der traurige Höhepunkt dieser denkwürdigen Partie gelten: Ein Spieler des Gastgebers Velten brach an der Seitenlinie durch, wurde aber zurückgepfiffen, da sich der Spieler laut Linienrichter im Seitenaus befunden hatte. Aber weder der Veltener Spieler, noch ein verteidigender Potsdamer hörten den Pfiff und so wurde der angreifendes Spieler ins Seitenaus befördert.

Die Verärgerung darüber war auf Seiten der Veltener derart hoch, dass eine handfeste Rangelei zwischen den beiden Spielern entwickelte. Zahlreiche Veltener Spieler unter anderem auch von der Ersatzbank nahmen dies zum Anlass, sich an der Auseinandersetzung zu beteiligen. Es entwickelte sich nun eine richtiggehende Massenschlägerei zwischen beiden Teams, wie man sie sonst nur aus den unteren französischen Ligen gewohnt ist. Das Ganze dauerte an die fünf Minuten an und es flogen wiederholt Fäuste in Gesichter – kein schöner Anblick und garantiert keine Werbung für den Rugbysport.

Schiedsrichter Jeremies beratschlagte sich mit seinen Linienrichtern und zeigte eine rote Karte für einen bereits ausgewechselten Veltener Spieler, der über das gesamte Feld gerannt war, um den ursprünglich beteiligten Potsdamer Spieler zu schlagen. Soweit so gut, Jeremies beruhigte die Situation und fragte beide Teams, ob sie das Spiel fortführen wollten. Beide Mannschaften waren sich einig, doch direkt im Anschluss wurde der Schiedsrichter laut hörbar für alle Umstehenden und Zuschauer durch mehrere Veltener Spieler verbal beleidigt. Jeremies zog die einzig mögliche Schlussfolgerung und zeigte eine weitere rote Karte für den lautesten Veltener Spieler und brach das Spiel beim Stand von 15:29 ab.

Wer dachte, dass sich die erhitzten Gemüter nun beruhigen würden, sah sich leider eines Besseren belehrt, denn der Gastgeber wollte diesen Spielabbruch nicht hinnehmen und ging Jeremies weiter an. Vor der Umkleidekabine ereignete sich dann der traurige Höhepunkt des Tages: Ein Veltener Spieler lauerte Schiedsrichter Jeremies auf und griff diesen tätlich an. Auf Veltener Seite bestätigt man den Angriff, charakterisiert ihn jedoch als Schubser, nach welchem andere Veltener Akteure den beteiligten Spieler vom Unparteiischen weggezogen hätten. Von Potsdamer Seite war von einem Schlag mit offener Hand ins Gesicht die Rede.

Dieser wüste und traurige Nachmittag im Norden Berlins wird wohl noch lange durch Rugby-Deutschland hallen. Die dabei am einfachsten zu klärende Frage wird die des Ergebnisses und Siegers sein. Da Potsdam trotz lediglich 14 Spielern genug Erste-Reihe-Stürmer aufbieten konnte, sollte das Spiel gezählt werden können. Sofern ausreichend Spielzeit zum Zeitpunkt des Abbruchs abgelaufen war, müsste demnach Potsdam 29:15 gewonnen haben.
Auch die Frage nach den Schuldigen und Strafen wird die DRV-Sportgerichte beschäftigen und hier wollen wir nicht vorweggreifen. Was wir aber durchaus diskutieren können: Wo bleibt der vielgelobte und betonte Respekt gegenüber Gegner und Unparteiischen? Wie kann es zu solch einer Kurzschlussreaktion vom Großteil einer ganzen Mannschaft kommen? Dies war keine Einzelperson, sondern eine ganze Gruppe an prügelnden Personen. Und das bei einem Verein, der in den letzten Jahren viel Wert auf seine Nachwuchsarbeit, Schulkooperationen und gar Schiedsrichterausbildung gelegt hat. Damit haben die Veltener Männern ihrem Verein, ihrer Stadt und ihrem so geliebten Sport einen Bärendienst erwiesen.

 

Norbert Heidekorn, Präsident des Veltener Rugby Clubs äußerte sich nach dem Spiel wie folgt zu dem Übergriff auf den Schiedsrichter: "Was soll ich sagen, wir sind allle im Schockzustand angesichts dessen, was da vorgefallen ist. Ich bin persönlich niedergeschlagen. Wir haben bereits Gespräche mit dem Spieler geführt. Als ich davon gehört hatte war ich sprachlos. Wir können und wollen nichts schönreden. Der Angriff auf den Schiedsrichter, wir wollen da um Gottes willen nichts verharmlosen. Das Ergebnis des Spiels ist absolute Nebensache. Wir vom VRC haben uns bereits beim Schiedsrichter entschuldigt und das sind einfach nicht die Werte, für die wir beim VRC stehen."


Schiedsrichter Ulf Jeremies dagegen wollte sich selbst zu den Vorfällen vorerst nicht weiter äußern und verwies auf das laufenden Verfahren bei den entsprechenden Instanzen des DRV.

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Kommentare (3)add comment

Micha Meier said:

3224
Einzig logische Konsequenz
Es gibt nur eine logische Schlussfolgerung aus den Vorfällen. Harte Strafen für die Spieler mit den roten Karten und eine Lebenslage Sperre für den Spieler, der den Schiedsrichter tätlich angegriffen hat. Dabei spielt hier aus meiner Sicht auch keine Rolle, ob es "nur" ein Schubser war. Es bestand eine klare Absicht den Schiri anzugreifen. So jemand hat auf dem Rugbyplatz nichts zu suchen.
Mai 02, 2017

Peter Zeh said:

3925
^
Lebenslange Sperre find ich vernünftig. So ein Verhalten hat im Rugby nichts verloren.
Mai 02, 2017

Frank Riemenschneider said:

3754
Schade für den Sport.
Ich bin Rugbyfan geworden, weil ich keine Lust mehr auf Fußballassis im Stadion hatte. Die gemeinsame sportliche Haltung von aktiven Spielern, Schiedsrichtern und Fans habe ich beim Rugby einfach als so was wohltuend empfunden. Im Gegensatz zum Fußball sind Rugbyspieler tolle Vorbilder für unsere Jugend - dachte ich. Schade, wenn man dann feststellen muss, das es auch beim Rugby Menschen gibt, die ihre niedrigen Instinkte (Angriff und Flucht) nicht unter Kontrolle halten können. Wenn einem Rugbyspieler die Nerven durchgehen, sollte ihm trotzdem immer bewusst sein: wenn ein austrainierter Mensch "schubst" oder zuschlägt, kann es für seine Mitmenschen übel ausgehen. Ich hoffe auf eine Aufarbeitung im Sinne des Sports.
Mai 03, 2017

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