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Gatland nominiert Lions-Kader - Kritik und Zweifel, ob dieser gegen die All Blacks bestehen kann
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Donnerstag, 20. April 2017

Gelingt den Lions gegen die All Blacks der Triumph wie 2013 in Australien? Foto (c) B&I Lions Instagram
Gelingt den Lions gegen die All Blacks der Triumph wie 2013 in Australien? Foto (c) B&I Lions Instagram

Es ist eine der Traditionen, die den Rugbysport besonders machen. Seit dem Jahr 1888 senden England, Schottland, Wales und Irland einmal alle vier Jahre gemeinsam ihre besten Spieler als Lions um es mit einem der Rugby-Giganten der Süd-Hemisphäre aufzunehmen. Wieder werden zehntausende Rugby-Fanatiker die Reise ans andere Ende der Welt auf sich nehmen um an dieser Tradition teilzuhaben. Spieler, die sich alljährlich bei den Six Nations als bittere Widersacher gegenüberstehen, traditionelle Rivalen, sie werden über die wenigen Wochen einer Lions-Tour zu Blutsbrüdern. Für einen Rugby-Spieler aus diesen vier Nationen gibt es keine größere Ehre. Abwechselnd treten die Lions in drei Duellen gegen Südafrika (zuletzt 2009), Australien (zuletzt 2013) und Neuseeland an. Für die Gastgeber der Lions ergibt sich die Möglichkeit gegen diese antreten zu dürfen damit nur alle zwölf Jahre. Es sind diese Spiele, bei denen Legenden geboren werden.

Nachdem es in den Rugby-Medien in den Lions-Nationen, aber auch in Neuseeland zuletzt kein anderes Thema gab, hat Coach Warren Gatland gestern den mit Spannung erwarteten 41-Mann-Kader benannt. Auf nationale Befindlichkeiten sollte der Lions-Trainer dabei keinerlei Rücksicht nehmen, doch wie so oft treten derlei Diskussionen rund um die Verkündung des Kaders in den Vordergrund. Auf schottischer Seite fühlt man sich mit nur zwei Spielern im Lions-Kader, nachdem die Bravehearts ihre besten Six Nations seit Ewigkeiten gespielt haben, übergangen und unfair behandelt. Und tatsächlich: Mit Verbinder Finn Russell und den beiden in der zweiten Reihe beheimateten Gray-Brüdern werden gleich drei offensichtliche Kandidaten aus Schottland nicht mit in das Flugzeug ans andere Ende der Welt steigen.

Dagegen muss sich Lions-Coach Warren Gatland, der normalerweise Wales trainiert, den Vorwurf der Bevorzugung seiner Zöglinge gefallen lassen. Mit Verbinder Dan Biggar und Achter Taulupe Faletau sind zwei Wales-Größen nominiert, die zuletzt für Klub und Land mit durchschnittlichen Leistungen auffielen. Im Falle von Faletau ist dies mit einer langen verletzungsbedingten Abwesenheit zu erklären. Doch mit dem normalerweise als Faletau-Ersatzmann im Wales-Trikot agierenden Ross Moriarty stehen nunmehr zwei walisische Achter im Kader, die beide selbst für ihr Land zuletzt nicht als gesetzt gelten konnten - was eigentlich eine Grundvorraussetzung für eine Lions-Nominierung sein sollte.

Leigh Halfpenny wiederum war bei der letzten Lions-Tour mit seiner übermenschlichen Kick-Leistung einer der Garanten für den Sieg über Australien. Doch zuletzt schwächelte der schmächtige Wales-Schluss vom Tee und im offenen Spiel gibt es ohne Zweifel weitaus gefälligere Kandidaten in Europa. Die Wahl von Sam Warburton als Kapitän dagegen traf auf viel Zustimmung. Der Waliser gab zwar erst vor dieser Saison sein Kapitänsamt in der Nationalmannschaft auf, hatte die Lions 2013 jedoch zum Sieg geführt und sich damit den Vertrauensvorschuss verdient.

 

2013 gelang den Lions im dritten Spiel in Australien der Triumphzug



Zu erwarten war, dass der Six-Nations-Sieger der letzten beiden Jahre England das Gros des Kaders ausmachen würde. Gleich 16 Akteure fanden den Weg in den Lions-Kader. Speziell der im Sechs-Nationen-Turnier dominierende Sturm wird wohl das Rückgrat des Lions-Gedränges bilden. Eine dritte Reihe mit Englands Billy Vunipola auf der Acht, Irlands CJ Stander als Sechser und mit Sam Warburton als ständiges Ärgernis in den Offenen dürfte auch die All Blacks vor Probleme stellen. Mit Maro Itoje wird darüber hinaus wohl ein weiterer kaum zu bändigender Ballträger in der zweiten Sturmreihe stehen, während der Kampf um die Plätze in der ersten Sturmreihe zu diesem Zeitpunkt wohl noch völlig offen ist.

Der Konkurrenzkampf um die Lions Plätze war derart groß, dass mit Englands Joe Launchbury ein als gesetzt geltender Mann nicht mit nach Neuseeland fliegen wird. Launchbury war bei Six Nations Sieger England gesetzt und wurde gleich zwei Mal zum „Man of the Match“ gekürt. Doch Trainer Gatland und sein Sturm-Assistent Borthwick zogen die Erfahrung von Alun Wyn Jones und die Vielseitigkeit von Ian Henderson in der zweiten Reihe vor. Ebenso knapp scheiterte Irlands Shooting Star Garry Ringrose. Ihm wurde auf der Innendreiviertel-Position knapp Jonathan Joseph vorgezogen. Laut Aussage von Gatland vor allem deshalb, da Joseph gegen Wales derart destruktiv aufgespielt habe.

Schottlands ehemaliger Verbandsvorsitzender Ian McLauchlan konnte seinen Unmut über die Nominierungen kaum verbergen und verwies auf ein Interview, das Warren Gatland während der Six Nations gegeben hatte. Damals hatte der gebürtige Neuseeländer auf die Frage, welche schottischen Spieler für ihn in Frage kämen geantwortet: „Stuart Hogg und dieser Neue da auf Innen. Ach ja und die Außen waren auch echt gut.“ Angesichts der schottischen Siege gegen Irland und Wales, die jeweils zwölf und elf Spieler stellen, sei dies nicht akzeptabel. „Der kennt noch nicht Mal unsere Spieler“ so McLauchlan im schottischen Herald.

Für den vierfachen Lions-Tour-Teilnehmer Brian O’Driscoll sind vor allem die Nicht-Berücksichtigung von England-Kapitän Dylan Hartley und Joe Launchbury überraschend. Doch gerade Launchbury solle laut O’Driscoll noch keine Pläne für den Sommerurlaub machen, denn auf der zweiten Reihe gebe es oft Ausfälle zu beklagen. Auf die Frage wem sein berühmtes Trikot mit der dreizehn gehöre entgegnete O’Driscoll gegenüber BT Sport: „Es läuft auf einen Zweikampf zwischen Jonathan Davies und Robbie Henshaw hinaus.“

Neuseeland Coach Steve Hansen zeigte sich derweil überrascht, dass England-Kapitän Dylan Hartley nicht mit nach Neuseeland fliegen wird. Mit Blick auf das was den Weltmeister erwarten wird, fügte Gatland hinzu: "Sie haben genug gute Spieler, das ist nicht die Frage. Doch wir werden uns auf alle Szenarien vorbereiten müssen und wir werden bereit sein." Das klingt sehr nach einer Kampfansage des Trainers der Neuseeland zur ersten Titelverteidigung in der Geschichte der Rugby-WM geführt hat.

Insgesamt dürften die Wochen bis zum ersten der drei Spielen der Lions-Serie am 24. Juni im legendären Eden Park in Auckland spannend werden. Denn wer in das Flugzeug nach Neuseeland steigen wird ist nun klar. Doch wer es in den 23-Mann-Kader im ersten Länderspiel schaffen wird dagegen noch überhaupt nicht.


Der Lions-Kader im Überblick

Dreiviertelreihe: Dan Biggar (Wales/Ospreys), Elliot Daly (England/Wasps), Jonathan Davies (Wales/Scarlets), Owen Farrell (England/Saracens), Leigh Halfpenny (Wales/Toulon), Robbie Henshaw (Irland/Leinster), Stuart Hogg (Schottland/Glasgow), Jonathan Joseph (England/Bath), Conor Murray (Irland/Munster), George North (Wales/Northampton), Jack Nowell (England/Exeter), Jared Payne (Irland/Ulster), Jonathan Sexton (Irland/Leinster), Tommy Seymour (Schottland/Glasgow), Ben Te'o (England/Worcester), Anthony Watson (England/Bath), Rhys Webb (Wales/Ospreys), Liam Williams (Wales/Scarlets), Ben Youngs (England/Leicester).


Sturm: Rory Best (Irland/Ulster), Dan Coles (England/Leicester), Taulupe Faletau (Wales/Bath), Tadh Furlong (Irland/Leinster), Jamie George (England/Saracens), Iain Henderson (Irland/Ulster), Maro Itoje (England/Saracens), Alun Wyn Jones (Wales/Ospreys), George Kruis (England/Saracens), Courtney Lawes (England/Northampton), Joe Marler (England/Harlequins), Jack McGrath (Irland/Leinster), Ross Moriarty (Wales/Gloucester) , Sean O'Brien (Irland/Leinster), Peter O'Mahony (Irland/Munster), Ken Owens (Wales/Scarlets), Kyle Sinckler (England/Harlequins), CJ Stander (Irland/Munster), Justin Tipuric (Wales/Ospreys), Mako Vunipola (England/Saracens), Billy Vunipola (England/Saracens), Sam Warburton (c) (Wales/Cardiff)

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