 Die siegreichen Frankfurter U18 und U16 Teams vom Wochenende. Foto (c) SC Frankfurt 1880
Dem SC Frankfurt 1880 gelang am vergangenen Wochenende eine Premiere in der langen Vereinsgeschichte. Zum ersten Mal wurden die Rot-Schwarzen sowohl bei der U16 als auch bei der U18 deutscher Meister im Rugby. Auch angesichts der Tatsache, dass die Rugby-Abteilung des Traditionsklubs zu Anfang der 2000er Jahre noch gänzlich vor dem Aus stand, ist dies eine bemerkenswerte Leistung. TotalRugby hat sich mit den beiden Männern hinter dem Erfolg, dem Rugby-Abteilungsleiter und ehemaligen Nationalspieler Ulrich Byszio sowie dem SC-Jugendwart Tilo Barz zusammengesetzt, um das Frankfurter Erfolgskonzept genauer zu beleuchten.
Im gemeinsamen Gespräch mit den beiden wichtigsten Akteuren hinter dem Frankfurter Erfolg wird vor allem klar, wie langfristig das Konzept des Sport-Clubs angelegt ist. Ein Großteil der jetzigen U18- und U16-Meister hatte bereits in der Frühphase der Intensivierung der vereinseigenen Jugendarbeit vor etwa zehn Jahren mit dem Rugbyspielen angefangen. Denn genau bei den ganz jungen galt und gilt es, primär anzusetzen. Byszio entsinnt sich dabei, wie sein ehemaliger Bundestrainer Fritz Raupers ihm damals genau diesen Ratschlag mit auf den Weg gegeben hatte. Viele der athletisch besonders talentierten Kinder würden sich sonst für andere Sportarten entscheiden und könnten dort aufgrund ihrer Fähigkeiten nur schwerlich losgeeist werden. Dementsprechend können heute auch bereits Kinder ab zwei Jahren beim SC mit dem Rugby beginnnen.
Anfänglich ließ sich aber auch in Frankfurt nur schwerlich geeigneter Nachwuchs für den Verein finden. Wie so oft in Deutschland, leidet der Rugbysport außerhalb seiner beiden Hochburgen in Heidelberg und Hannover an seinem raubeinigen Image. Viel persönliche Überzeugungsarbeit bei den Eltern von potentiellen Jugendspielern war seitens der Klubverantwortlichen von Nöten.
Die Erfolge der Ersten als "Leuchtrakete"
Damit man sich in der Frankfurter Sportlandschaft überhaupt erst einmal etablieren konnte und um sich einen guten Namen zu erarbeiten, wurde zunächst auch massiv in die erste Mannschaft von 1880 investiert. Diese war Anfang der 2000er Jahre in den Niederungen der Drittklassigkeit versunken. Dr. Ulrich Byszio, seit neuestem Abteilungsleiter-Rugby beim SC 1880, aber schon lange dessen Mäzen, spricht dabei bildlich von einer „Leuchtrakete“, die man gezündet habe, um die eigene mediale Präsenz zu maximieren. Er scheut dabei auch nicht davor zurück, von „erkauften Meistertiteln" zu sprechen, die innerhalb nur weniger Jahre erreicht wurden.
Aber gerade durch die erzielten Erfolge sei es schließlich auch deutlich einfacher geworden, Eltern davon zu überzeugen ihre Sprösslinge in die Obhut des Vereins zu legen. Während aber nach Ansicht der Frankfurter Verantwortlichen die Entwicklung des Nachwuchses bis hin zur U10 im eigenen Verein vorangetrieben werden könne, bedarf es danach unabdingbar hochwertiger Gegner zur sportlichen Weiterentwicklung. Da sich eben jene hochwertigen Gegner in der Bundesrepublik nur schwerlich finden ließen, bedurfte es anderer Lösungsansätze.
Seit geraumer Zeit zieht es die verschiedenen Jugendmannschaften des Vereins dadurch mehrmals im Jahr ins Ausland, wo sie bei hochwertigen Turnieren in England, Frankreich, Irland, Spanien, Italien oder Wales antreten. So waren beispielsweise die U10, U12, U14 und die U16 in den vergangen Monaten jeweils bei Turnieren in London. Dabei werden auch immer wieder erstaunliche Erfolge erzielt - wie der der U14 beim hochwertig besetzten Turnier Besançon im vergangenen Jahr.
Damit aber auch hiesige Teams von diesem Engagement profitieren können, veranstaltet der SC jährlich das eigene Jugendrugby-Festival, bei welchem in diesem Jahr rund 1000 Kinder aus sechs Ländern teilnehmen werden. Für deutsche Nachwuchsmannschaften ist dies eine hervorragende Möglichkeit, Spielpraxis auf hohem Niveau bei vergleichsweise kurzer Anreise zu erlangen.
Weg vom Profitum hin zum noch intensiveren Engagement in der Jugend
Im Jahr 2013 war man bei den Frankfurtern schließlich zu der Erkenntnis gekommen, dass sich die erste Mannschaft ohne weiteres Investment in Profi-Spieler in der Bundesliga halten könne. Die Verträge der betroffenen Spieler wurden nicht verlängert. Einzig die Möglichkeit weiterhin als Jungendtrainer zu arbeiten, wurde ihnen geboten. Diese Tätigkeit steht jedoch, laut Jugendwart Tilo Barz in keinem Zusammenhang mit etwaigen Einsätzen dieser Spieler in der Bundesliga- Mannschaft des SC 1880.
Wie sehr sich der Fokus bei den Frankfurtern mittlerweile in Richtung Jugendarbeit verschoben hat, manifestiert sich beispielsweise auch darin, dass bei den Jugendtrainern, die zum Teil auch wichtige Säulen von Frankfurts Erster sind, eventuelle Jugendturniere mit ihren Mannschaften Priorität haben. So wie am vergangen Wochenende, als gleich mehrere wichtige Spieler im Pokal gegen den HRC wegen Verpflichtungen als Jugendtrainer fehlten.
Doch in Zukunft will man bei 1880 auch vermehrt in die Ausbildung eigener Trainer investieren, damit man weniger von eingekauftem Know-How abhängig ist. Bereits in zehn Jahren, so hofft Ulrich Byszio, werden ein paar der jetzigen Jugendmeister ihr Wissen an den zukünftigen Nachwuchs weitergeben können und damit eine sich fortführende Tradition |