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Offener Brief an das Deutsche Rugby
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Geschrieben von Ferdinand Sacksofsky   
Sonntag, 17. Mai 2015

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Dieser Brief richtet sich an

  • die verantwortlichen Stellen des Deutschen Rugby-Verbands e.V. (DRV)

  • die Verantwortlichen der Wild Rugby Academy (WRA)

  • die Rugby-Abteilung des Heidelberger Ruderklubs 1872 e.V. (HRK)

  • die Redakteure von www.totalrugby.de

  • alle Freunde und Fans des Rugbysports in Deutschland und an alle Spieler, für die Rugby mehr ist, als nur eine Freizeitbeschäftigung

zunächst möchte ich feststellen, dass dieser Brief ausschließlich meine persönliche Meinung widerspiegelt und losgelöst von meinen Ämtern beim TSV Handschuhsheim Rugby verfasst wurde. Dem TSV Handschuhsheim, sowie allen anderen Rugbyvereinen in Deutschland, steht es frei, sich meiner Kritik anzuschließen und gemeinsam an einer Lösung, des in der Folge beschriebenen Problems zu arbeiten.

Ich bin Rugbyfan.

Ich habe über 12 Jahre lang selbst Rugby in Deutschland gespielt, habe Jugendmannschaften trainiert und sitze im Vorstand eines der größten und traditionsreichsten deutschen Rugby-Vereine. Für mich persönlich gibt es keinen schöneren Sport und nichts würde ich lieber sehen, als dass Rugby in Deutschland wächst und noch mehr Menschen die Möglichkeit erhielten, Rugby zu sehen, zu spielen und zu leben.

Neben einer entsprechenden Jugendförderung, die derzeit leider in vielen Teilen des Landes noch immer nicht existent ist, sehe ich vor allem die Deutsche Rugby Bundesliga als das beste, wenn nicht sogar das einzige Mittel, Menschen für unseren Sport zu begeistern. Solange die Deutschen Nationalmannschaften sich nicht für eine Weltmeisterschaft oder die Olympischen Spiele qualifizieren und somit unser Sport einem breiten Fernsehpublikum präsentiert wird, gibt es für Interessierte keine andere Chance, Rugby auf hohem Niveau zu erleben, als über die Deutsche Rugby Bundesliga.

Daher denke ich, dass es an der Zeit ist, das anzusprechen, was seit Jahren gleichermaßen kritisiert und dennoch schweigend akzeptiert wird:

Die Dominanz des HRK in der Deutschen Rugby Bundesliga hat die höchste Spielklasse unseres Sports zu einem grotesken Witz verkommen lassen. Diese Saison hat das Team aus Heidelberg, durch die Unterstützung ihres Gönners Herrn Dr. Hans-Peter Wild, in Form der Wild Rugby Academy (WRA), seinen sechsten Deutschen Meistertitel in Folge eingefahren - ungeschlagen wohlgemerkt und mit einem Gesamtpunkteverhältnis von 1305:130 Punkten in 18 Spielen (Anm. von 130 Gegenpunkten gingen 57 auf das Konto TV Pforzheim). Dadurch kommt der HRK auf sagenhafte 72.5 Punkte/Spiel, was lediglich 16 Punkte weniger sind, als der Spitzenreiter der Deutschen Basketball Bundesliga (88.57).

Betrachtet man die Einsatzzeiten der HRK Spieler über den Saisonverlauf, wird außerdem schnell klar, dass unter denen, die regelmäßig für den Meister aufliefen, lediglich Arthur Zeiler, Kehoma Brenner und Steffen Liebig bereits für den Verein spielten, bevor dieser durch seinen Mäzen zu einer unschlagbaren Supermacht aufgeblasen wurde. Gelegentlich durften auch weitere Eigengewächse, wie etwa Patrick Schliwa, Thorsten Wiedemann, oder Malte Bieringer neben den internationalen und deutschen Voll- und Halbprofis glänzen. Auch im diesjährigen Finale waren nur diese drei „original“ HRKler (Zeiler, Brenner, Liebig) in der Startaufstellung. Die Frage, wo der HRK stünde, ohne Spieler wie Els, Jordaan, Otto, Armstrong, Buckmann, Widiker, Mathurin, Hittel, Parkinson, usw. hat sich jeder Rugbyfan in Deutschland schon mindestens einmal in den letzten Jahren gestellt.

Ich möchte an dieser Stelle klarstellen, dass ich großen Respekt vor der sportlichen Leistung dieser Mannschaft habe. Der HRK ist nicht auf unfaire Weise zum Serienmeister geworden, sondern spielt lediglich viel besser Rugby als jede andere Mannschaft in Deutschland. Und so sollte es im Sport doch sein, dass das beste Team am Ende gewinnt.

Doch genau hier liegt auch das Problem:

Der HRK ist seit Jahren faktisch unbesiegbar und „verstärkt“ sich jede Saison aufs Neue mit weiteren Talenten aus dem In- und Ausland, was einen ausgeglichenen Wettbewerb in der Bundesliga unmöglich macht. Daher stellt sich die Frage, ob ein Wettbewerb, der eigentlich keiner mehr ist, überhaupt noch Sinn macht? Warum sollte man einem Sport nachgehen, der es von vorneherein ausschließt, dass man am Ende der Saison erfolgreich ist, völlig egal, wie hart man trainiert und wie gut man spielt? Wer will einer Liga folgen, in der der Sieger bereits vor dem ersten Saisonspiel fest steht? Warum sollten Jugendliche sich für Rugby begeistern, wenn sie wissen, dass sie niemals den höchsten nationalen Titel ihres Sports holen können, solange sie nicht für den HRK spielen? Wie soll Rugby in Deutschland wachsen, wenn der Sport seinen eigentlichen Anreiz verloren hat?

Ich habe diese Saison einige großartige Rugbyspiele sehen dürfen, wie z.B. das Rückspiel TSV-RGH oder das Viertelfinale RK03-RGH. Diese Spiele zeigten das große Potential der Spieler und ließen erkennen, wie spannend und unterhaltsam Rugby in D