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Deutschland – zu klein für Rugby?
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Montag, 23. März 2015

Deutschland – zu klein für Rugby?
Deutschland – zu klein für Rugby?

Shane Williams kommt aus Wales, ist 1,70m groß und wollte gerne Rugby spielen. Doch seine Trainer sagten zu ihm: „ Du bist zu klein für Rugby.“ Doch Williams gab nicht auf, wurde Rugbyspieler, wurde ein Weltklasse-Rugbyspieler und am Ende seine Karriere hatte in 87 Länderspielen 58 Versuche erzielt. Rekord.

Was hat Shane Williams mit dem deutschen Rugby zu tun?

Auch in Deutschland denkt man: „Wir sind zu klein um im Rugby bei den „Großen“ mitspielen zu können.“ Aber stimmt das wirklich?

8-64, 22-48, 3-11, 12-17, 16-48. Fünf Spiele. Fünf Niederlagen. 1 Punkt. Letzter Platz. Das sind auf den ersten Blick die nüchternen Zahlen der ersten Saison in der obersten Division der Rugby Europe Championship.

Auf dem zweiten Blick jedoch lässt sich über die vergangenen sechs Wochen ein Aufwärtstrend erkennen. Die Mannschaft, teilweise mit Spielern aus drei Kontinenten zusammengestellt, hat sich im Laufe der Zeit gefunden und mehr als einmal war sogar ein Sieg möglich.

Was braucht es jetzt in Rugby-Deutschland um diese letzte Hürde zu überspringen?

Es mangelt an der nötigen Kondition, um mit Voll-Profis über 80 Minuten mithalten zu können. Es herrscht eine zu geringe Tiefe im Kader um Ausfälle zu verkraften. Es fehlt die Cleverness und Erfahrung um in internationalen Spielen gegen erfahrenere Gegner zu bestehen.

Die im Ausland aktiven Spieler stehen leider aufgrund der Ignoranz ihrer Vereine, bezüglich gültiger Abstellungsregelungen, nicht immer zur Verfügung. Hans-Joachim Wallenwein hatte in der RNZ diesbezüglich ja sogar eine gewisse Absicht dahinter vermutet. Ganz Unrecht hat er damit sicher nicht. Und die heimischen Spieler müssen ihren Jahresurlaub opfern, um eine halbwegs professionelle Vorbereitung genießen zu können.

Sprich es braucht hier ein Deutschland einen professionellen Rugbywettbewerb, in dem die besten Spieler des Landes sich Woche für Woche messen können.

Es braucht Leistungszentren im ganzen Land, in der diese Spieler auf täglicher Basis trainieren können um sich stetig zu verbessern.

Es braucht einen Ausbildungspakt zwischen Vereinen und Verband um die bestmögliche Ausbildung der Nachwuchsspieler zu gewährleisten. Diese Spieler brauchen eine Perspektive, wenn wir sie in unserem Sport halten wollen. „Rugby-Profi“ muss eine ernsthafte „Karriere-Option“ werden.

Wir brauchen eine Umstellung des Spielbetriebes auf das Kalenderjahr. Zurzeit leistet sich das deutsche Rugby zwei dreimonatige Pausen im Jahr. Das ist zu viel. Und da wir um die Winterpause witterungsbedingt nicht herumkommen, macht es Sinn auf den Jahresspielbetrieb umzustellen.

„Momentmal, wer soll denn das bezahlen? Woher sollen die Spieler für so eine Liga kommen? Wer interessiert sich schon in Deutschland für Rugby?“ werfen hier die Kritiker ein.

Und da denke ich wieder an Shane Williams: „Zu klein für Rugby.“ Wirklich?

…Geld, sprich Investoren kann man gewinnen.

…Spieler kann man verpflichten und für die Zukunft ausbilden.

…Öffentliches Interesse kann man generieren.

Was man wirklich dafür braucht, ist, wie auch in der freien Wirtschaft, eine gute Idee, ein gutes „Produkt“, also in unserem Fall einen attraktiven, unterhaltsamen sportlichen Wettbewerb.

Eine Liga mit für den Anfang 6 bis 8 bundesweiten Spielorten. Mit sportlich gleichwertigen Teams. Das sollte für den Anfang erst einmal genügen. Im Laufe der Jahre kann diese noch Zahl erhöht werden. Jeder Verein aus der Stadt oder Region kann sich an diesem Team beteiligen. Bei der Auswahl der Standorte ist natürlich das momentane sportliche Ungleichgewicht zwischen dem Südwesten und dem Rest der Republik zu beachten.

Für die Finanzierung gibt es neben privaten Gönnern, eine ganze Reihe potentieller Partner, die man gewinnen kann. Sportartikelhersteller, Medienunternehmen, Stadionbetreiber, usw. All jene können ein vitales Interesse daran haben, das sich der Rugbysport in Deutschland durchsetzt.

Ein Blick über den Atlantik zeigt, dass es in den USA zurzeit mehrere ersthafte Bestrebungen gibt, eine Profi-Liga dort ins Leben zu rufen. Diese Projekte sollten mit Interesse beobachtet werden. Wer zweifelt, dass sich eine relativ unbekannte Sportart im amerikanischen Sportmarkt durchsetzt, der sei an die Major League Soccer erinnert. Einst in den Anfangstagen als „Kirmes-Liga“ verspottet, ist sie im 20. Jahr seit Bestehen erfolgreicher denn je. Wirtschaftlich rentabel und in der Zuschauergunst auf Platz 3 hinter Football und Baseball angelangt.

Jetzt kann man natürlich argumentieren: „Dafür dass wir zum Großteil eigentlich Amateure sind, sind wir eigentlich verdammt weit gekommen.“

Richtig. Und deshalb muss die Frage für das deutsche Rugby jetzt lauten:

„Was ist denn dann erst möglich wenn wir Profis werden?“

Wenn, der DRV, die Landesverbände, alle Vereine, private Gönner und Sponsoren zusammen arbeiten, dann ist die Umsetzung dieses Konzeptes möglich.

Aber es geht nur gemeinsam. Wenn sich Verbände und Vereine