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Alexander Widiker in Frankreich: Ein Endspiel zum Abschied
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Geschrieben von Alexander Widiker   
Dienstag, 22. Juni 2010

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Alexander Widiker führte sein Team als Kapitän ins Finale der Federale 1

Da ich nächste Saison wieder in Deutschland spielen werde, melde ich mich heute mit meinem vorerst letzten Bericht aus Frankreich.

Die Saison 2009/2010 stand zunächst unter einem sehr guten Stern. Zu Saisonbeginn konnte in Person von Didier Nourault ein absoluter Topmann als unser Trainer gewonnen werden. Didier war viele Jahre Chefcoach beim französischen Erstligisten Montpellier und hat in dieser Funktion zahlreiche französische Nationalspieler hervorgebracht. Auf dem Trainingsplatz merkt man sofort welchen großen Unterschied ein Profitrainer ausmacht, jedes noch so kleine Detail wird beachtet und nur zu häufig waren es am Ende diese Kleinigkeiten welchen den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage bedeuteten. Außerdem muss man in jedem Training Vollgas geben, dass habe ich schon in der Vorbereitung gemerkt, die diesmal (im wahrsten Sinne des Wortes) zum Erbrechen hart war.

Neben dem Training standen auch drei Testspiele auf dem Plan. Zweimal ging es gegen Massy und einmal mussten wir gegen den Nachwuchs von Metro Racing, dem Club von Superstar Sebastién Chabal, ran. Trotz der guten Vorbereitung hatten wir leider nur einen mäßigen Saisonstart. Zwar hatten wir nach den ersten vier Saisonspielen noch eine ausgeglichene Bilanz vorzuweisen, zwei Siegen standen zwei Niederlagen gegenüber, womit wir noch voll auf Kurs in Richtung Jean-Prat (Aufstiegsrunde) lagen, doch dann kam ein kleiner Durchhänger, mit vielen, oft auch unnötigen, Niederlagen. Meist verloren wir nur mit zwei, drei Punkten Unterschied, da unsere Kicker leider nicht so treffsicher waren, wie der Rest der Liga. Hier spricht auch die Statistik eine deutliche Sprache: An der Gasse kamen wir auf staatliche 87% der Bälle, am eigenen Gedränge konnten wir 90% der Bälle behaupten und zugleich 50% der gegnerischen Bälle erobern, dem stand jedoch unterirdische Kickausbeute von magern 45% gegenüber, weshalb wir aus unserem Übergewicht im Sturm nur viel zu selten Kapital schlagen konnten. So haben wir in der gesamten Saison schlussendlich mehr Punkte durch Versuche als durch Kicks erzielen können, in der Federale 1 eine eher unübliche und auch nicht sonderlich erfolgsversprechende Punktausbeute.

Wir beendeten die reguläre Punkterunde als Fünfter und verpassten die Jean-Prat damit lediglich um einen Tabellenplatz; nur die ersten vier aus jedem Pool qualifizieren sich für die Aufstiegsrunde. Wer nicht um den Aufstieg spielt, kommt in den zweifelhaften Genuss der Abstiegsrunde. Hier konnten wir 5 Siege bei nur einer Niederlage einfahren und waren somit nie wirklich in Abstiegsgefahr.

In jeder der insgesamt 11 französischen Ligen, wird jede Saison neben den Aufsteigern auch ein Meister ermittelt. Unser Ziel lautete nun also Meisterschaft in der Federale 1. Wir konnten sowohl im Viertel- als auch im Halbfinale das Hin- und Rückspiel für uns entscheiden. Die Begegnungen waren allesamt sehr spannend und unglaublich eng. Dabei traf ich auch auf viele alte Bekannte aus den Nationalmannschaften Rumäniens und Belgiens und zahlreiche alte Haudegen, welche bis vor kurzem ihre Brötchen noch in der 1. französischen Liga verdient hatten. Das war für mich natürlich eine riesen Erfahrung. Wie überhaupt die ganze Saison. Ich war zuletzt nicht nur körperlich in einer sehr guten Verfassung, sondern auch die Verantwortung als Mannschaftskapitän hat meiner Entwicklung sehr gut getan.

Im letzten Heimspiel wurde mir ein sehr fröhlicher und zugleich emotionaler Abschied bereitet. Ich hatte hier 4 ganz tolle Jahre und freue mich auf das bevorstehende Finale. Wir treffen auf neutralem Rasen auf das Team von La Seyne sur Mer. Das Team setzt sich zu großen Teilen aus früheren Nationalspielern und Ehemaligen des RC Toulon, dem Arbeitgeber von Jonny Wilkinson, zusammen. Für uns ist das Spiel natürlich eine riesen Herausforderung. Leider haben wir eine sehr lange Verletztenliste, doch Bange machen gilt nicht, in einem Finale ist alles möglich und ich werde mein Bestes geben, um mein Team zum Sieg zu führen. Über den Spielausgang wird selbstverständlich hier auf TotalRugby berichtet.

Für mich war es eine sehr lange Saison, mit über 30 Pflichtspielen und 11 Monaten die fast nur aus Training und Spielen bestanden, in welcher auch die riesen Enttäuschung, der Abstieg aus der Division 1 mit der Nationalmannschaft, verdaut werden musste.

Trotz meiner Rückkehr nach Deutschland werden auch in der kommenden Saison drei Deutsche Nationalspieler das Trikot des RC Orléans tragen. Gilles Pagnon der im Winter sein Debüt in der Nationalmannschaft feierte, hatte in dieser Saison großes Verletzungspech, spielte aber trotzdem eine gute Saison als Nummer 13. Matthieu (Franke), hat sich leider seinen zweiten Kreuzbandriss in Folge zugezogen und kämpft momentan darum wieder fit zu werden. Sein Bruder Guillaume konnte sich im Saisonverlauf vom Bankdrücker zum Stammspieler hochkämpfen. Er spielt eine gute Saison, hat aber nicht zuletzt aufgrund seiner Jugend mit Sicherheit noch Luft nach oben.

Bisou Euer Snakko

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