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TR-Review Rugby Bundesliga: Frankfurt, SCN und 78 starten standesgemäß
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Montag, 4. September 2023

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Köln kehrt in Liga eins zurück, Flanker Robert Amelung vom SCN zu seinem Heimatklub. Foto (c) Santarelli

Die Rugby-Bundesliga ist endlich zurück! Das Oberhaus kehrt mit einem ersten Spieltag zurück, der nicht enttäuschte. Frankfurt 1880, Hannover 78 und der SC Neuenheim feierten einen standesgemäßen Auftakt in die neue Saison. Aufsteiger Köln konnte gegen den TSV Handschuhsheim zumindest eine Halbzeit lang mithalten und in Hamburg gab es einen echten ovalen Krimi zwischen dem FC St. Pauli und dem RK 03 Berlin.

Nord/Ost

RC Leipzig 14-41 Hannover 78

Das Nord-Spitzenspiel in Leipzig-Stahmeln endete mit einem am Ende deutlichen Sieg für die Gäste aus Niedersachsen. Noch nie hatte der RC Leipzig das Spitzenteam aus Hannover besiegt und an diesem sonnigen Samstag sollte sich daran nichts ändern. 78 münzte die ersten beiden Ausflüge tief in die Leipziger Hälfte jeweils vom Hütchen und durch Neuner Jan Piosik in eine 6:0 Führung um.

Als die Gastgeber wegen einer Gelben für Neuner Kriel zwischenzeitlich in Unterzahl war, kombinierte sich 78 zum ersten Mal durch und erhöhte anschließend auf 13:0. Noch vor der Pause gelangen den 78ern zwei Wirkungstreffer und sie konnten ihr Punktekonto auf 27:0 hochschrauben, da sich Piosik vom Tee weiter treffsicher zeigte.

Nach der Pause zunächst etwas Leerlauf bevor 78 auf 34:0 erhöhen konnte. Erst in der Schlussphase konnten sich die Leipziger für ihren Aufwand belohnen und durch Alrebdawi und El-Souri zu zwei späten Versuchen kommen, die jeweils vom Südafrikaner Kriel erhöht wurden. Der Schlusspunkt gehörte allerdings erneut den Hannoveranern, die mit ihrem deutlichen Sieg ihre Ambitionen in dieser Saison unterstrichen haben.

Wenig verwunderlich zeigte sich 78-Trainer Christian Doering im Anschluss „sehr zufrieden gegen eine starke Leipziger Mannschaft mit Bonus zu gewinnen“ und unterstrich: „Bei uns ist noch viel Luft nach oben. Vor dem Duell mit Germania gilt es die kleinen Fehler in der Chancenauswertung abzustellen.“ Während Hannover sich auf das Derby freut spielt Leipzig derweil gegen den Hamburger RC und strebt dabei den ersten Saisonsieg an.

 

TSV Victoria Linden 0-73 Berliner RC

Das erste Spiel der Bundesliga-Nordstaffel an der Hannoveraner Fösse war eine einseitige Angelegenheit. Die Rugger vom BRC waren mit dem Ziel in die Saison gegangen, zu beweisen, dass das Vorjahresergebnis kein Zufall war. Bei den Zebras trat der Nord-Zweite aus dem Vorjahr auch genau so auf.

Die Gäste zeigten sich von der ersten Minute an spielbestimmend und obendrein gnadenlos effektiv. Schon nach rund 30 Minuten hatte der BRC den Offensivbonus in der Tasche und mit dem Pausenpfiff stand ein 0:33 auf der Anzeigetafel. Die Zebras hatten mehrere Strafkicks gesetzt, jedoch ohne dabei Punkte zu erzielen.

Zu Beginn von Durchgang zwei konnten die Zebras die Gäste zumindest für eine Viertelstunde von ihrem Malfeld fernalten. In den letzten 25 Minuten der Partie konnte der BRC dank frischer Kräfte von der Bank gleich sechs weitere Versuche erzielen. Bei den Berlinern war man dementsprechend froh über das Ergebnis.

Gleichwohl betonte BRC-Coach Jason McConnell-Leech nach der Partie: „Wir müssen noch an einigen Dingen arbeiten, zum Beispiel haben wir zu viele Straftritte gegen uns kassiert, außerdem müssen wir es schaffen den Druck länger aufrecht zu erhalten.“

 

FC St. Pauli 22-20 RK 03 Berlin

Es war das erwartet enge Duell an der Hamburger Saarlandstraße, nur wenige Monate nach dem Abstiegskrimi an gleicher Stelle. Vor solider Kulisse mit einigen hundert Zuschauern sollte es erneut eine dramatische Partie werden, nur dieses Mal mit dem besseren Ende für die Gastgeber. Vor der Pause zeigte sich bei beiden Teams noch, dass es die erste Partie der Saison war, mit nur wenigen sehenswerten Kombinationen.

Die Gäste zeigten sich ein wenig routinierter und konnten mit der besten Kombination vor der Pause nach zahlreichen Phasen durch Innen Louis Dobslaw den ersten und einzigen Versuch vor der Pause legen, der ohne Erhöhung blieb. Fast wäre den Hauptstädtern noch vor der Pause der zweite Wirkungstreffer gelungen, doch schafften es die Hausherren nur einen Meter vor der eigenen Linie nach langer Druckphase einen extrem wichtigen Turnover zu holen.

Die zweite Hälfte war dann deutlich turbulenter. Zunächst gelang den Paulianern der Ausgleich, als sie den RK-Sturm mit einem Paket überrumpelten, die Erhöhung aber gegen den Pfosten klatschte. Doch die Berliner konterten keine zwei Minuten später mit einem schön herausgespielten Versuch auf der kurzen Seite, als Hakler Martin Tormann Außen Maxime Kenens freispielte, der zum Versuch einlaufen konnte.

Keine fünf Zeigerumdrehungen später konnte der RK per Straftritt auf 13-5 erhöhen. In der Folge verpasste es der RK 03 nachzulegen und versiebte zwei Einlaufgelegenheiten in der 22. Das sollte sich rächen: Sankt Pauli kämpfte sich zunächst mit dem Sturm den Weg ins Gästemalfeld und stellte den 12-13 Anschluss her. Dann isolierte sich Berlin nach einem Durchbruch und kassierte einen Turnover an Paulis 22 - zwei Phasen später lief Paulis Zweite-Reihe-Stürmer Niels Thomsen nach einem 40-Meter-Lauf ein, nachdem er neben dem Offenen eine ungedeckte Lücke gefunden hatte.

Doch die Gäste hatten sich noch nicht aufgegeben und kamen noch einmal. Nun mit dem Messer zwischen den Zähnen und zahlreichen Offloads kombinierten sich die Schwarzgelben noch einmal den Weg ins Pauli-Malfeld. Der frisch von der Bank gekommene Stürmer Konstantin Müller-Rettstedt machte die letzten Meter ins Pauli-Malfeld. Da waren noch drei Minuten zu spielen und der RK kämpfte sich mit druckvollen Angriffen noch einmal in die 22 der Gastgeber.

Der letzte Ausflug in die rote Zone der Hamburger endete aber nur wenige Meter vor dem Loch mit einem Straftritt für die den ganzen Nachmittag über aggressiv am Ruck zu Werke gehenden Kiezrugger. Unter dem Jubel des zahlreich erschienen Heim-Anhangs wurde das ovale Leder ins Aus befördert.

SC Germania List 92-0 Hamburger RC

Noch in der Vorsaison lieferten sich diese beiden Kontrahenten ein enges Rennen um Rang vier, nun wurde aus dem direkten Duell eine Machtdemonstration der Hannoveraner. Schon zur Pause hatten die Gastgeber um Kapitän Ben Caister, die Koch-Brüder und Nice Windemuth fünf Versuche erzielt und für klare Verhältnisse gesorgt.

Doch nach dem Pausentee sollte es eine noch eindeutigere Angelegenheit werden. Obwohl Trainer Rainer Kumm früh die Bank leerte und einige erfahrene Spieler wie Maurice Riege und Prop Alexander Prieß vom Feld nahm, wurde es noch deutlicher. Neun weitere Versuche sollten folgen, ohne dass der HRC eine Antwort auf das schnelle Kombinationsspiel der Germanen gehabt hätte.

Für die Hamburger war diese Partie ein Realitätscheck. Man wisse nun, dass man in „einer Phase des Wiederaufbaus“ sei, so Pressesprecher Toni Höllmann. Hamburgs neuer argentinischer Trainer Capurro unterstreicht derweil: „Es liegt noch ein langer Weg vor uns, den wir alle gemeinsam bewältigen werden. Es ist ein Prozess, der Zeit benötigt“. Kapitän Josh Harvey ergänzte gegenüber TR: „Für dieses Ergebnis gibt es keine Entschuldigungen, wir haben unsere Leistung nicht gebracht und Germania war gnadenlos.“

Süd/West

SC Neuenheim 56-13 Offenbacher SCR

Erstaunlich deutlich konnte sich Offenbach in einem hart geführten Duell mit den ebenso auf die Playoff-Plätze schielenden Offenbacher durchsetzen. Angeführt vom neuen Stammverbinder Nikolai Klewinghaus, der selbst einen Versuch und 16 Punkte mit einer perfekten Quote vom Tee beisteuerte, dominierte Neuenheim auf heimischem Rasen das Geschehen von früh an.

Einen ersten Straftritt der Offenbacher, die den Abgang von Spielmacher und Kicker Cheslin Arendse verkraften mussten, wurde von Neuenheim mit vier schnellen Versuchen in nur 15 Minuten zum Bonuspunkt Mitte des ersten Durchgangs gekontert, darunter ein sehenswerter Angriff abgeschlossen von SCN-Schluss Leo Becker. Offenbachs Spielertrainer Robert Haase, der das Team zusammen mit Ex-HRK-Coach Andy Knight betreut, brachte sich dann selbst von der Bank zur Pause.

Offenbach kam direkt nach der Pause zum 10-28 Anschluss durch Prop David Upton, das änderte aber nichts Grundlegendes an der Dominanz der Neuenheimer, die weiter fleißig Punkte sammelten und auch im Gedränge so überlegen waren, dass es für einen Strafversuch reichte, der wiederum für Prop Upton eine zehnminütige Auszeit durch einen gelben Karton bedeutete. Auch Siebener-Nationalspieler Chris Umeh sicherte sich noch einen Versuch, als er sich seinen Weg durch zwei Gegenspieler ins Malfeld bahnte.

Schon nach 60 Minuten hatte Neuenheim sein Punktekonto auf 56 hochgeschraubt und in den letzten 20 Minuten passierte nicht mehr viel. Auch eine Gelbe für Neuenheims eingewechselten Stürmer Jakob Schneider für ein zu hohes Tackle kurz vor Schluss änderte nichts mehr an der grundsätzlichen Dynamik dieser Partie. SCN-Teammanager Axel Moser betonte nach dem Spiel gegenüber TR: „Für ein Auftaktspiel angesichts der kurzen Vorbereitung sind wir sehr zufrieden, uns ist aber auch klar, dass Frankfurt kommendes Wochenende eine andere Hausnummer wird!“

 

München RFC 34-0 RK Heusenstamm

Auch ohne Kapitän und Strippenzieher Niklas Hohl können die Münchner punkten. Der wichtige Heimsieg mit Bonuspunkt erfolgte mit Santiago Schiavini als Verbinder der Blue Lions, die über die gesamte Partie hin das routiniertere Team waren, weniger Fehler machten und bei den Standards weniger Fehler produzierten. Nach einem Umbruch hatten die Füchse gleich ein halbes Dutzende Neulinge in der Start-XV.

Bis zur Pause hatte sich der MRFC mit zwei erhöhten Versuchen und zwei Schiavini-Straftritten schon ein beruhigendes Polster herausgeholt. Erst in den letzten zehn Minuten folgten die Versuche drei und vier, womit der Offensiv-Bonus mit dem Schlusspfiff feststand. Für die Münchner wie schon im Frühling die Optimalausbeute gegen den direkten Rivalen um den Klassenerhalt.

Heusenstamm hat dem Umbruch mit zahlreichen Abgängen derweil noch überhaupt nicht verdaut und empfängt kommendes Wochenende den Aufsteiger RSV Köln. Vorerst trainiert Markus Walger die Füchse weiter, jedoch ist dies beim RKH nur als Interimslösung gedacht. München tritt derweil bei Playoff-Kandidat Handschuhsheim an und ist dort wohl auch in dieser Saison klarer Außenseiter.

 

RSV Köln 14-45 TSV Handschuhsheim

Die Rückkehr der Domstädter in die Rugby-Bundesliga war am Ende keine siegreiche, das hätte jedoch auch kaum jemand vom Aufsteiger gegen eines der Spitzenteams der Liga erwartet. Eine ordentliche Kulisse hatte sich in den Kölner Rugby Park eingefunden, um das erste Bundesliga-Heimspiel der Bordeauxroten seit 2016 zu verfolgen und zumindest in Durchgang eins konnte der RSV phasenweise mithalten.

Nach einem Handschuhsheimer Blitzstart mit drei schnellen Versuchen der Heidelberger Gäste waren die Kölner besonders in der Phase vor der Pause am Drücker. Kölns Maximilian Kämpf und Zehner Richard Vivier, der den verhinderten Spielmacher und Kapitän Justus Gerlach vertrat, erzielten zwei Kölner Versuche und in dieser Phase kassierte Handschuhsheim obendrein eine Gelbe Karte für wiederholte Vergehen am Ruck.

Jedoch konnte Köln diesen Schwung nicht mit in den zweiten Durchgang mitnehmen. Handschuhsheim bediente sich früh von der starken Bank und zog mit zwei schnellen Versuchen davon. Obendrein kassierte Köln nun wiederum einen gelben Karton und musste am Ende mitansehen, wie der TSV das Spiel mit zwei weiteren Versuchen deutlich machte.

Eine unerwartete Rückkehr in die Bundesliga feierte derweil Kölns Trainer Melvine Smith im zweiten Durchgang. Der ehemalige Profi der Johannesburger Lions hatte sich während des Warmups selbst auf die Bank befördert, nachdem es noch vor Spielbeginn eine Verletzung auf Kölner Seite gab.

Smiths Analyse nach der Partie: „Wir haben zu viele Bälle verloren und haben deshalb Probleme gehabt, den Druck aufrecht zu erhalten. Die Handschuhsheimer waren besser darin, den Ball zu halten und die Phasen aneinander zu reihen und konnten mit ihren starken Individualisten Kapital daraus schlagen.“

 

RG Heidelberg 17-66 SC Frankfurt 1880

Sportlich war der Titelverteidiger Frankfurt 1880 am Wochenende über jeden Zweifel erhaben. Die wohl schwierigere Aufgabe folgte für den Meister am Tag darauf, als einige Spieler am Sonntag im ZDF-Fernsehgarten zu Gast und Moderatorin Andrea Kiewel auf die Prognose von Frankfurts Tim Biniak, der suggerierte sie würde den Ball nicht durch die Stangen kicken können, mit „ich knall dir gleich eine“ reagierte (hier der sehenswerte über zehnminütige Rugby-Ausschnitt in der ZDF-Mediathek - ab 1:04 etwa). Dass der Auftritt eines Rugby-Teams schlagzeilenträchtiger als derjenige von „Comedian“ Mario Barth ist, hätte man auch nicht erwartet.

Doch zurück zum Sportlichen. Der Saisonauftakt im Rugby-Wohnzimmer bei hochsommerlichen Temperaturen war zunächst etwas zäh. Frankfurt hatte mehr vom Spiel, konnte aber zumindest in den ersten 35 Minuten nicht dermaßen viel daraus machen. Auf zwei Versuche für die Gäste folgte  einer für die Gastgeber durch Routinier Bastian van der Bosch. Doch noch vor der Pause konnte 1880 per Doppelschlag für klarere Verhältnisse sorgen und auf 26:5 erhöhen. Vor allem die Dominanz der Frankfurter an den Kontaktpunkten machte es für die RGH schwer, ihre schnellen Spieler in Szene zu setzen.

Das Bruderduell zwischen Louis und Tim Biniak ging auch in Durchgang zwei klar an den mittlerweile für Frankfurt spielenden Ex-RGH-Außen Tim, der wie sein Bruder selbst einen Versuch beisteuern konnte. Frankfurt dominierte klar weiter und schraubte das eigene Punktekonto auf am Ende 66 Zähler hoch. Nach einem schön herausgespielten dritten RGH-Versuch durch Hacker nach einem schönen Bodenroller durch Meffert ins Malfeld hoffte man bei den Orange Hearts noch kurzzeitig auf einen Offensiv-Bonus. Diesen verpassten die Gastgeber aber in den letzten 5 Minuten, weswegen man nach 80 harten Minuten mit leeren Händen dastand.

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