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Nun kommen die Aasgeier: Die Auswirkungen der Implosion des englischen Vereinsrugbys
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Dienstag, 25. Oktober 2022

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90% Gehaltskürzung oder auf die WM verzichten - England-Stars wie Joe Launchbury stehen vor einer schwierigen Wahl.

Nach der Pleite von gleich zwei Premiership-Klubs werden nun die Folgen für die Profis in Englands Eliteklasse klar. Die Gehälter für Premiership-Profis dürften demnächst in den Keller rauschen und die Spieler der Pleite-Klubs Wasps und Warriors stehen schon jetzt vor einem riesigen Dilemma. Für Englands Nationalteam dürfte dies indirekt auch Auswirkungen haben.

Joe Launchbury ist mit 31 Jahren im besten Alter für einen Zweite-Reihe-Stürmer, hat 65 Länderspiele für England vorzuweisen und galt vor zwei Jahren mit einem Gehalt von weit mehr als einer halben Million Euro (vor den satten England-Prämien) im Jahr als einer der Top Ten Großverdiener der englischen Premiership.

Jetzt muss sich der 1,96-m-Mann aber dringend nach einem neuen Arbeitgeber umsehen. Nicht nur, weil sein erster Ansprechpartner nun der Insolvenzverwalter seines Klubs Wasps wäre und er seine Ansprüche mitsamt allen anderen Gläubigern der vor wenigen Jahren ausgelagerten Rugby-Profi-Abteilung geltend machen müsste und nur einen Bruchteil ausbezahlt bekäme.

Vor allem aber muss sich Launchbury in den Stadien der Premiership zeigen, denn genau in einem Jahr dürfte der Mann aus Exeter seine letzte Chance erhalten, Weltmeister zu werden. Vor dem Turnier in Frankreich ist die Konkurrenz um die Kaderplätze im England-Team von Eddie Jones brutal und aus Mitleid aufgrund der prekären Lage der Wasps dürfte der nicht unbedingt als sentimental geltende Jones auch den erfahrenen Launchbury mitnehmen.

Also muss sich der Zweite-Reihe-Stürmer nun einen neuen Arbeitgeber suchen und hat, wie beispielsweise seine Teamkollegen Jack Willies und Alfie Barbeary, die ebenso England-Ambitionen hegen, nur elf andere Klubs zur Wahl. Denn weiterhin gilt: Wer für England spielen will, muss in England spielen.

Das Überangebot an Spielern führt zu einer Implosion der Gehälter

Da aber die restlichen elf Klubs ihre Kaderplanungen bereits abgeschlossen haben und ihre Gehaltsobergrenze zum Teil bereits ausreizen, ergibt sich für die Spieler auf Vereinssuche ein prekäres Bild. Die Premiership ist zum Buyers’ Market geworden, das Überangebot bestimmt den Preis. Schottland nutzte diese Chance direkt und holte Star-Außen Duan van der Merwe zurück nach Edinburgh, wohl zu einem Schnäppchen-Preis.

In der Praxis bedeutet dies für die England-Ass, dass einem Nationalspieler vom Status eines Joe Launchbury mit all seiner Erfahrung zuletzt nicht mehr, als einen Vertrag über 60.000 Pfund pro Jahr angeboten wurde. Das mag sich für einen durchschnittlichen Angestellten hierzulande gar nicht mal dermaßen schlecht anhören, im Kontext professionelles Rugby und mit dem involvierten Risiko ist es aber eine Katastrophe.

Bereits vor der Saison waren in England laut Zahlen der Spielergewerkschaft RPA aufgrund von Budgetkürzungen bei den Klubs rund 100 Profis ohne Verein. Jetzt kommen zwei gesamte Profi-Kader von den Wasps und Warriors hinzu. Dieses Überangebot sorgt allerdings nicht nur dafür, dass die Gehaltsaussichten der beiden Pleite-Klubs weit unter dem zurückbleiben, was zuletzt üblich war - auch Spieler, deren Verträge nächsten Sommer auslaufen, haben nun eine weitaus schlechtere Verhandlungsposition.

Weitere England-Stars stehen vor dem Dilemma: Gehaltskürzung oder England-Chance aufgeben

England-Stars, wie Maro Itoje, Manu Tuilagi, Tom Curry, oder Jack Nowell haben allesamt nur noch bis nächsten Sommer Vertrag und zählen bei ihren Klubs zu den Topverdienern. Sie dürften wohl gezwungen sein, Abstriche zu machen, oder gleich den Weg nach Frankreich oder England zu wählen. Dort wird bekanntermaßen weitaus besser gezahlt, denn in Frankreich ist die Gehaltsobergrenze mehr als doppelt so hoch und wird weitaus strenger kotrolliert, während man das Konzept in Japan gar nicht erst kennt.

Jack Nowell wird schon mit mehreren Klubs in Frankreich in Verbindung gebracht und Tom Curry soll wohl von Toulon umworben werden. Sollte dieses Duo tatsächlich gehen, stünde England-Trainer Eddie Jones: Die Pflicht für Nationalspieler in der Premiership zu spielen aufweichen, oder auf einige absolute Leistungsträger und damit potenziell auf die WM-Chance verzichten. So oder so, in England befindet man sich in einer Krise und es stehen harte Entscheidungen an.

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