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Ex-Wallaby David Pocock startet in der Politik durch
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Montag, 23. Mai 2022

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Nicht üblich für einen Politiker aber erfolgreich: David Pocock im Wahlkampf.

Manche Rugby-Profis schreiben nach ihrer Karriere ein Buch, andere versuchen sich als TV-Experten oder Coaches. Richie McCaw ist Helikopterpilot geworden und fliegt nun Rettungseinsätze in seiner neuseeländischen Heimat. Ex-Wallabies-Superstar David Pocock hat sich nicht einmal zwei Jahre nach seinem Karriereende allem Anschein nach einen Senatssitz gesichert.

Vor nicht einmal zwei Jahren, Im Oktober 2020 verkündete David Pocock, dass er die Rugbystiefel nach 78 Spielen für Australien und 14 Jahren als Profi an den Nagel hängen würde. Der Wallabies-Flanker war als einst bester Balldieb im Welt-Rugby bekannt und hatte 2015 den WM-Titel im Endspiel von Twickenham nur knapp verpasst – nun steht er davor, als völliger Politik-Neuling mit nur 34 Jahren einen wichtigen Senatsposten zu ergattern.

Pocock war schon als Spieler nicht nur ein Sportler, sondern äußerte sich auch immer wieder öffentlich zu gesellschaftlichen Themen, wie der gleichgeschlechtlichen Ehe, dem Klimawandel, sowie dem Naturschutz generell. Im Herbst 2014 riskierte er als Wallabies-Kapitän gar eine Gefängnisstrafe: Gemeinsam mit einem lokalen Bauern hatte er sich im Outback von New South Wales an einen Tagebau-Bagger gekettet, der in einem zuvor eigens umdeklarierten Naturschutzgebiet Kohle fördern sollte.

Während seiner 14-jährigen Karriere war Pocock einer der besten Stürmer im Welt-Rugby

 

Die Protestaktion brachte Pocock ein Gerichtsverfahren ein, das ohne Strafe mit einer Verwarnung endete – der Richter erkannte die guten Intentionen Pococks und dessen weiße Weste an. Pocock fuhr 10 Monate später zur WM und avancierte dort zu einem der besten Spieler. Nach der darauffolgenden WM 2019 hatte Pocock beim japanischen Top-Team Panasonic Wild Knights angeheuert, doch durch die Corona-Pandemie endete sein Engagement dort vorzeitig.

Nach dem endgültigen Karriere-Aus legte Pocock den Grundstein für eine politische Karriere in seiner Wahlheimat Canberra. Dabei setzte sich der in Simbabwe geborene und in jungen Jahren nach Australien ausgewanderte Pocock hohe Ziele: Statt eine Parteikarriere und einen Stadtratsposten anzuvisieren, verkündete er Ende 2021 als unabhängiger Kandidat für den Senat zu kandidieren.

Das aus nur 76 Mitgliedern bestehende Oberhaus Australiens ist vergleichbar mit dem Senat der USA und hat unter anderem die Macht Gesetzentwürfe und den Haushalt zu blockieren. Am Samstag wurden bei der Wahl zwei Senatssitze des Australian Capital Territory neu vergeben. Pocock scheint den zweiten Sitz so gut wie sicher in der Tasche zu haben und das ohne die Unterstützung einer der großen australischen Parteien.

Zwar hat er mit seinen 22,1% der bisher ausgezählten Stimmen (Briefwahlstimmen werden in den kommenden Tagen ausgezählt) rund ein Prozent weniger, als Amtsinhaber Zed Seselja. Doch Australiens ungewöhnliches Präferenzwahlrecht lässt Pocock dennoch schon vor der Auszählung aller Stimmen wie den sicheren Sieger aussehen.

Will sich in der Politik für Klimaschutz und Bürgerrechte einsetzen

 

Denn neben der ersten Wahl kann jeder Wahlberechtigte Down Under eine Zweitpräferenz angeben. Sobald eine Kandidatin oder ein Kandidat anhand seiner Erststimmen aus dem Rennen ist, werden die Zweitpräferenzstimmen von dessen Wählerinnen auf andere Kandidaten übertragen. Pococks Konkurrent Seselja gilt in Australien als Rechtsaußen, weswegen Pocock die Mehrheit der Zweitpräferenzstimmen der Grünen zugerechnet werden, die mit rund elf Prozent hinter dem Duo liegen.

Die australischen Medien haben Pocock bereits gestern als wahrscheinlichen Gewinner deklariert. Dieser will sich in seiner sechsjährigen Amtszeit seinen Kernthemen widmen: Umweltschutz und der Kampf gegen den Klimawandel. Wenn der einstige Weltklassespieler derart viel Determination zeigt, wie auf dem Rugbyfeld, dürfte der eloquente Pocock auch in der Politik für viel Furore sorgen.

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