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Der Nächste bitte: Hamburger Rugby-Verband plant Kunstrasen in der Rugby-Arena Stadtpark
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Donnerstag, 16. Dezember 2021

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Saracens waren der erste Profi-Klub mit einem Kunstrasen und haben damit eine Welle ausgelöst.

Die Rugby-Bundesliga könnte in Hamburg bald ihren vierten Kunstrasenplatz erhalten. Das künstliche Grün hat auch im Rugby viele Vorteile, bleibt aber zumindest in der Anschaffung teuer und ist unter Spielern umstritten. Die besonderen Umstände in der Hansestadt machen den Kunstrasen jedoch fast alternativlos, wie die dortigen Verantwortlichen erklären.

Kunstrasenplätze im Rugby sind ein kontroverses Thema. Seit die Londoner Saracens vor rund acht Jahren ihren Rasen im Nord-Londoner Stadion aufgaben und sich für das künstliche Grün entschieden, läuft eine Debatte im Rugbysport. Diese nahm auch in Deutschland Fahrt auf, nachdem der Heidelberger Ruderklub und der TSV Handschuhsheim im Laufe der Saison 2015/2016 beide auf Kunstrasen umstiegen.

Meist verläuft die Debatte so: Vereinsverantwortliche sprechen sich aufgrund der deutlich besseren Planbarkeit und niedrigen Unterhaltskosten für die Kunstgrünalternative aus, aktive Spieler bevorzugen oft den Naturrasen. Schlicht aus Gewohnheit, allerdings auch weil Hautabschürfungen und eine vermeintlich erhöhte Verletzungsgefahr auf Kunstrasen als großes Problem gelten.

Hamburg will Kunstrasen wegen der extremen Belastung des Hauptplatzes im Stadtpark

Dennoch will der Hamburger Rugby-Verband den nächsten Bundesliga-Kunstrasen errichten lassen und ist mit der Planung weit fortgeschritten, wie der Vorsitzende Nils Zurawski gegenüber TR erläutert. Natürlich sei er sich auch der Diskussion pro und contra Kunstrasen bewusst, jedoch betont er gleichzeitig: „Wenn ich für unseren Verband noch drei oder vier Naturrasenplätze bekomme, sage ich nie wieder etwas zum Thema Kunstrasen“, so Zurawski.

Das Hamburger Rugby-Grün leidet besonders in den kalten Monaten unter dem Spielbetrieb gleich mehrerer Vereine

Denn in Hamburg ist die Platzsituation besonders heikel. Gleich fünf Vereine und unzählige Teams nutzen nur zwei Plätze. Besonders die Arena an der Saarlandstraße, die alle Hamburger Bundesliga-Teams nutzen, ist „extrem belastet“, wie Zurawski es formuliert. Auch aktuell wurden sowohl der Hauptplatz im Stadtpark, als auch der Ausweichplatz am Barmwisch für den Winter gesperrt.

Andere Vereine und Städte sind da in einer deutlich komfortableren Situation. Dessen ist man sich auch bei den Hamburger Spielern bewusst, weswegen diese sich mit der Kritik am künstlichen Grün zurückhalten. HRC-Pressesprecher Alex Hänert, der selbst im Sturm der Bundesliga-Mannschaft Hanseaten aufläuft, erklärt: „Wir freuen uns sehr über die Initiative des HHRV. Die aktuelle Platzsituation ist mehr als angespannt und eine nachhaltige Entwicklung des Hamburger Rugbys kann nur gelingen, wenn weniger Training aufgrund der Witterung ausfällt.“

Natürlich wäre eine Option mit einem Rugby-spezifischen Kunstrasen-Trainingsplatz und einem Naturrasen fürs Training eine mindestens ebenso wünschenswerte Alternative. Jedoch können sich die Aktiven in der Hansestadt mit der Perspektive Kunstrasen anfreunden. Zumal der Kunstrasen ein reiner Rugby-Rasen nach dem Vorbild Saracens / HRK werden soll, mit einer sechs Zentimeter hohen Grasnarbe und einer dämpfenden Korkschicht darunter, was den Rasen für Fußball quasi unbrauchbar macht.

Die Teams des HRK spielen seit knapp sechs Jahren auf dem Kunstrasen am Harbigweg - beim Klub ist man damit vollauf zufrieden

Denn die Kunstrasen-Welle im Fußball wurde auch im Rugby zuletzt zum Problem. Viele unterklassige Vereine in Deutschland bis hoch in die zweite Liga spielen quasi als Untermieter bei Fußballvereinen. Das ist mit einem Fußball-Kunstrasen nicht mehr möglich, da dieser zu wenig Schutz bietet bei Stürzen und beim Gedränge.

Der HRK ist schon seit einer Weile stolzer Besitzer eines Kunstrasens und dort bereut man die Entscheidung nicht. Wie HRK-Kapitän Steffen Liebig erklärt: „Einen 4G-Rasen würde ich bei unserem Saisonkalender und den klimatischen Bedingungen jederzeit vorziehen. Wir können quasi 365 Tage im Jahr spielen und haben Planungssicherheit. Spiele auf einem gut gepflegten Rasenplatz mag ich persönlich lieber, weil man damit aufgewachsen ist. Die Vorteile des Kunstrasens überwiegen jedoch aufgrund der besseren Verfügbarkeit.“

England-Stars fordern Verbot des Kunstrasens im Rugby

Jedoch sehen dies nicht alle so. Die England-Stars Joe Marler und Henry Slade sprachen sich vor wenigen Monaten gar für ein Verbot der Kunstrasenplätze aus. Exeters Jack Nowell löste eine Diskussion mit einem getwitterten Foto aus, auf dem er Hautabschürfungen am Knie nach einem Spiel in Newcastle auf Kunstrasen zeigte. Trotz einiger prominenter Verletzter auf Kunstrasen ist es derweil noch nicht gänzlich klar, ob Kunstrasenplätze mehr Verletzungen hervorrufen.

Eine irische statistische Untersuchung aus dem Jahr 2020 kam zu dem Schluss, dass die Anzahl der Verletzungen auf Natur- und Kunstrasen einander ähnlich sind. Jedoch sei die Schwere der Verletzungen auf Kunstrasen erheblicher.

Wann die Rugby-Bundesliga in der Hansestadt ihren vierten Kunstrasen erhält, steht noch nicht in Stein gemeißelt. Der Hamburger Stadtpark ist denkmalgeschützt was Planung und Bau verkompliziert. Aber die Verantwortlichen beim Hamburger Verband streben noch einen Baustart im Jahr 2022 an, im allerbesten Fall schon im Sommer.

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