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Corona-Fall in Frankfurt: Drohen erste Spielverlegungen?
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Montag, 14. September 2020

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Bundesweit gibt es seit einigen Wochen wieder deutlich mehr Fälle des neuartigen Coronavirus - nachdem die Rugby-Community lange verschont blieb, hat es nun ausgerechnet den deutschen Meister erwischt. Knapp zwei Wochen vor dem geplanten Start des CT-Cup droht damit nun eine erste Spielverschiebung - für die Rugby-Community insgesamt wird der Umgang mit dem Virus künftig wohl zur Normalität werden.

Diesen Samstag hatte Frankfurts Dritte gegen Heusenstamms zweite Mannschaft gespielt - es war das erste richtige Spiel nach der langen Corona-Pause für beide Teams. Neben dem Feld stand ein Spieler von Frankfurts erster Mannschaft, der seitdem positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Bei den Frankfurtern will man sich offiziell noch nicht zu dem Thema äußern.

Doch der indirekt betroffene RK Heusenstamm hat bereits das Training für diese Woche vorsichtshalber abgesagt - Offenbach ist vorerst nicht betroffen, wurde aber über den Fall informiert und berät nun das weitere Vorgehen, wie von Klub-Verantwortlichen zu hören ist. Das könnte nun auch Auswirkungen auf den in knapp zwei Wochen startenden CT-Cup haben, in dem die drei Rhein-Main-Klub gegeneinander antreten.

Heusenstamm: Den Experten vertrauen

„Ich bin selbst natürlich kein Corona-Experte, deshalb wollen wir die Experten vom Gesundheitsamt das weitere Vorgehen bestimmen lassen“, so Heusenstamm-Trainer Mikey Ferraris. Der Südafrikaner hat das Training des Vereins vorsichtshalber ausgesetzt, bis man weitere Informationen vom Gesundheitsamt erhalte. Auch bei den Frankfurtern dürfte man ähnlich verfahren, auch wenn der Klub sich zu den Vorgängen bisher öffentlich nicht äußern will.

Es war wohl eine Frage der Zeit, bis es Rugbyspieler in Deutschland erwischen würde. Bei 1000 bis 2000 täglichen Neuinfektionen in den letzten Wochen bundesweit, hat es nun ausgerechnet einen Spieler des deutschen Meisters erwischt. Das ist zunächst alles andere, als ein Grund für Vorwürfe, vielmehr bestätigt es die Entscheidung, den Sainsonstart aufs nächste Jahr zu verschieben. Denn lokal organisierte Wettbewerbe lassen sich flexibler anpassen, als Punktspiele um die Meisterschaft.

Unparteiischer eventuell betroffen

Der Frankfurter Spieler ist derweil nicht das einzige Problem für Rugby an Rhein und Main. Ein am Samstag involvierte Unparteiischer ist ein weiterer Corona-Verdachtsfall. Sollte sich dieser erhärten, droht gleich über 30 Spielern, die am Samstag endlich das langersehnte erste Spiel nach der Pause absolvieren durften, eine verpflichtende Quarantäne.

Der gesamte Vorgang zeigt vor allem eins - Rugby kann in den kommenden Woche stattfinden, allerdings muss die Rugby-Community mit dem Virus leben lernen. Genau das hatte CT-Cup-Organisator Wynston Cameron-Dow bereits vorletzte Woche im TR-Interview erklärt. In diesen Stunden sitzt er mit den Verantwortlichen der anderen beiden involvierten Klubs im CT-Cup (TR berichtete), um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Eigentlich hätten 1880 Frankfurt und Offenbach den mit 10.000 € dotierten Wettbewerb eröffnen sollen. Doch da wohl auch Frankfurt eine Trainingspause einlegen dürfte, bis geklärt ist ob weitere Spieler infiziert sind, könnte es zu einer Verschiebung kommen - so Cameron-Dow gegenüber TR.

Es bleibt zu hoffen, dass die weiteren nun eingeleiteten Corona-Tests negativ ausfallen.

Update: Mittlerweile konnten wir bei TR uns mit dem Frankfurter Jugend-Koordinator Tilo Barz unterhalten, der das Vorgehen des Klubs im Detail erklärt hat.

Der betroffene Spieler der ersten Mannschaft der 1880er hatte in der vergangenen Woche noch bei einem internen Touch-Testspiel zwischen der dritten und ersten Mannschaft teilgenommen und war mit seinen Kollegen der Bundesliga-Mannschaft mit nach Heusenstamm gereist, um die Vereinskameraden gegen den Lokalrivalen zu unterstützen.

Im Verlaufe des Tages stellten sich bei besagtem Spieler erste Symptome ein und noch am selben Abend ließ er sich testen. Als am nächsten Morgen das positive Ergebnis feststand, kontaktierten die Frankfurter das Gesundheitsamt, wie Jugend-Koordinator Barz erklärt. Dieses sah aus datenschutzrechtlichen Gründen allerdings keine Veranlassung mit den Vereinsoffiziellen zusammenzuarbeiten. Erst nachdem der Spieler selbst am Montag sein Einverständnis gegeben hatte, arbeitete das Amt mit 1880 zusammen.

In der Zwischenzeit begann man im Verein daran, die Kontakte des Spielers nachzuvollziehen. Eine Jugendmanagerin, die gleichzeitig Ärztin ist, nahm sich der Sache an. Alle näheren Kontakte unterzogen sich mittlerweile einem Test - Barz selbst hat seitdem nur von negativen Ergebnissen gehört, 15 bis 20 in etwa. Auch unter den Spielern, die mit dem positiven Spieler trainiert haben, ist bisher kein positiver Test zurückgekommen.

Frankfurt will zunächst eine Woche mit dem Training aussetzen. Spieler, die bis zur nächsten Woche zwei negative Tests mit mindestens 48 Stunden Abstand haben, können dann wieder trainieren. Der betroffene Spieler zeigt weiterhin Symptome - Fieber, Geschmacks- und Geruchsverlust - erlebt aber generell einen milden Verlauf und kann daheim bleiben.

Der Verein will derweil weiterhin alles unternehmen, um bestmöglich mit dem Corona-Ausbruch umzugehen, wie Barz betont. „Sportliche Notwendigkeiten sind zunächst Nebensache, uns ist wichtig, dass alle gesund aus dieser Sache herauskommen.“

Der einzige bekannte Ansteckung ist einer der Unparteiischen des Duells Heusenstamm-Pforzheim - dieser war mit dem betroffenen Spieler in engem Kontakt. Ansteckungen auf dem Platz sind bisher nicht bekannt, was angesichts der Tatsache, dass besagter Spieler auch Gedränge trainiert hat, ermutigend ist.

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