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Schlammschlacht um Ex-Adler-Coach Mike Ford: „Er ist eine Schlange“
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Donnerstag, 4. Juni 2020

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Mike Ford steht aktuell im Zentrum eines medialen Sturms in England, aber auch in Deutschland wird Fords Amtszeit kritisch gesehen. Foto (c) Seufert-Chang

Ex-Adler-Coach Mike Ford ist in England gerade in das Zentrum eines medialen Sturms geraten. Der Engländer, der unsere schwarzen Adler bis zum Abstieg gegen Portugal letzten Juni betreute, muss sich schwere Vorwürfe von seinem Ex-Spieler Sam Burgess gefallen. Rund um die Heim-WM 2015 habe dieser mit intriganten Machtspielchen zu Englands Ausscheiden beigetragen und es insgeheim auf den Trainerjob abgesehen. Auch beim DRV hat sich der erfahrene Coach nicht nur Freunde gemacht.

Es ist ziemlich genau ein Jahr her, da endete Mike Fords Amtszeit als Trainer der schwarzen Adler nach nur zehn Monaten in Frankfurt - sang- und klanglos, ohne Verabschiedung und ohne, dass die hochgesteckten Erwartungen in den erfahrenen Coach erfüllt worden wären. Ford selbst hatte im TR-Interview bei Amtsantritt 2018 verkündet, er wolle die Mannschaft auf das nächste Level bringen.

Nach dem 32:37 im Relegationsspiel gegen Portugal, das den Abstieg der deutschen Fünfzehner-Nationalmannschaft aus der Rugby Europe Championship besiegelte, stellte sich Ford nicht Mal mehr den Fragen der Presse und schickte an seiner Stelle Co-Trainer Mouritz Botha vor. Mittlerweile arbeitet Ford als Assistenztrainer beim englischen Rekordmeister Leicester Tigers.

Eigentlich eine Rolle, die mit wenig öffentlichem Interesse verbunden ist. Ford ist deshalb seit einiger Zeit nicht mehr dermaßen im Fokus der Öffentlichkeit, auch wenn seine Leicester Tigers nur durch den Zwangsabstieg der Saracens vor dem Abstieg bewahrt wurden. Doch dies hat sich seit gestern Abend gründlich geändert. Die Ursache: Ein knapp zweistündiges Interview des Podcasts „House of Rugby“ mit Sam Burgess, das ein riesiges Medienecho in England erzeugt hat.

Mike Ford (hier mit Sam Burgess) befindet sich seit gestern Abend in der Mitte eines medialen Gewitters

Sam Burgess: Vom Messias zum Sündenbock

Zur Erinnerung: Burgess war genau ein Jahr vor der Heim-WM 2015 in England als der bestbezahlte und wohl auch sportlich beste Spieler weltweit aus dem Rugby League von den South Sydney Rabbitohs in die Fürzehner-Variante gewechselt. In England wurde „slamming Sam“, der als amtierender NRL-Champion und Gewinner des MVP-Awards in der NRL in die Heimat kam, geradezu als Messias gefeiert.

Bei Bath unter Coach Mike Ford entwickelte sich Burgess erst als Innendreiviertel und später als Flanker in Windeseile zu einem großartigen Rugby-Union-Spieler. Ihn zeichneten genau die Eigenschaften aus, die ihn auch in der NRL zu einem Superstar gemacht hatten: gnadenlose knallharte Tackles und harte Läufe in den Kontakt, immer mit viel Dampf über die Vorteilslinie.

Bis in das Premiership-Finale schaffte es Bath mit Burgess und auch wenn das Team dort schlussendlich den Saracens unterlag, nominierte der damalige England-Nationaltrainer Stuart Lancaster Burgess für die Heim-WM 2015 in England. Doch besagte Heim-WM wurde zur Katastrophe - England war der erste Gastgeber in der Geschichte des Rugby World Cups, der bereits in der Gruppenphase die Segel streichen musste.

Für das Mutterland des ovalen Ballsports eine Blamage sondergleichen und für einige wurde aus dem Messiah Burgess eine Art Sündenbock für Englands blamables Aus. Burgess kehrte verbittert zurück zu den South Sydney Rabbitohs und machte damals nur einige wenige Andeutungen, warum er äußerst unzufrieden und nach nur 27 Profi-Spielen die Rückkehr ins 13er-Rugby antrat.

Sam Burgess öffentlichkeitswirksame Abrechnung mit Mike Ford

Doch gestern schließlich äußerte sich Burgess ausführlich zu den damaligen Umständen. Mike Ford kommt bei all dem alles andere als gut weg. Burgess beschreibt seinen ehemaligen Trainer als intriganten Strippenzieher, der es um die WM 2015 auf Stuart Lancasters Job als England-Trainer abgesehen hatte. Dazu habe er hinter den Kulissen während der WM Stimmung gegen den im Amt befindlichen England-Coach gemacht und versucht seinen Sohn George Ford unbedingt im Team zu halten. Burgess sieht sich selbst im Nachhinein als von Mike Ford genutztes Druckmittel in dessen Machtspielchen.

Sam Burgess Abrechnung mit Mike Ford im Podcast Rugby House

Als George Ford, der noch im Auftaktspiel gegen Fidschi als Verbinder gestartet war, in Spiel zwei gegen Wales durch Owen Farrell auf der Zehn ersetzt wurde, machten Mike Ford und dessen Sohn George den nunmehr auf die Zwölf gerückten Sam Burgess dafür verantwortlich. Vater Ford in der Presse und hinter den Kulissen, sein Sohn hinter den Kulissen.

England verlor die vorentscheidende Partie um den Viertelfinaleinzug bekanntermaßen und obwohl England zum Zeitpunkt von Burgess Auswechslung zehn Minuten vor dem Ende noch mit 25:18 vorne lag, wurde dieser zum Sündenbock in der Öffentlichkeit. Gestern Abend schließlich machte Burgess selbst Fords Kampagne in der Presse und der Öffentlichkeit dafür verantwortlich. Dieser habe, auch nachdem er ihm persönlich am Telefon versichert hatte während der laufenden WM nicht mehr in der Öffentlichkeit über ihn und seine Rolle zu sprechen, mehrmals negativ über seinen eigenen Bath-Spieler gesprochen.

Vorwurf von Burgess: Ford versuchte England bei der Heim-WM zu manipulieren, um den Trainerjob zu bekommen

Insgesamt habe Ford, den Burgess explizit eine „Schlange“ nennt, versucht England zu sabotieren, um selbst den Job als Nationaltrainer zu bekommen. Nach der WM habe Burgess, wie er gestern weitererklärte, Ford dann mitgeteilt, dass er „jeglichen Respekt für ihn verloren“ habe. Ford habe darauf im Zwiegespräch geradezu ängstlich reagiert, keinerlei Erklärungen für seine negativen Statements in der Presse während des World Cups gehabt und dennoch versucht ihn zu einem Verbleib zu bewegen.

Burgess lehnte ab, da er unter Ford nicht mehr für Bath auflaufen wolle. Aus Respekt vor dem Klub machte er das Angebot noch bis Weihnachten für Bath zu spielen, um dann in der darauffolgenden Saison wieder bei Russel Crows South Sydney Rabbitohs anzuheuern. Das habe dieser dann aber ausgeschlagen.

Stattdessen habe man sich geeinigt, dass Burgess sofort nach Australien zurückkehren könne. Burgess stieg am folgenden Tag in den Flieger noch Down Under und noch während sich der ehemalige Hoffnungsträger in der Luft befand, traten Mike Ford und sein Sohn George verbal nach. „Er hat wohl nicht den Mumm gehabt sich hier zu beweisen“, so Ford Senior damals auf einer Pressekonferenz, während sein Sohn Burgess als illoyal und unmotiviert charakterisierte. Burgess Reaktion gestern: „Er hat damals sein wahres Gesicht gezeigt.“

Bisher keine Reaktion von Ford - auch im DRV wird Fords Amtszeit kritisch gesehen

Burgess Aussagen haben in Englands Presse einen regelrechten Sturm ausgelöst. Noch immer sitzt der Stachel des vorzeitigen WM-Aus 2015 tief und Verbinder George Ford ist noch immer im England-Team aktiv, was die Angelegenheit noch delikater macht. Mike Ford hat sich seitdem nicht zu den Vorwürfen von Burgess geäußert, im Gegenteil: Gestern stellte er nach der Veröffentlichung des Podcasts seinen Twitter-Account mit immerhin 6.400 Followern auf den Privat-Modus.

Auch beim DRV sind einige Verantwortliche auch knapp ein Jahr nach Fords Abgang nicht mit dem Handeln von Ford als Nationaltrainer zufrieden - sportlich, organisatorisch und menschlich. Im deutschen Rugby habe er, so ist hinter vorgehaltener Hand zu hören, ebenso Offizielle und Spieler mehrmals gegeneinander ausgespielt. Zudem wird sein undurchsichtiges Geschäftsgebahren mit Ex-CEO Kieran Lees, dessen Firma 300 Consulting dem DRV die erbrachten Leistungen von Lees in Rechnung stellte, als höchstfragwürdig angesehen.

Denn niemand beim DRV wurde vom ehemaligen CEO Lees darüber informiert, dass Ford bei 300 Consulting ebenso Consulting-Partner ist.* Lees war damit als DRV-CEO direkt für das Gehalt seines Geschäftspartners bei 300 Mike Ford verantwortlich. Dem vernehmen nach bezog Ford ein deutlich höheres Gehalt als sein Vorgänger Pablo Lemoine, der mit Uruguay bereits ein Underdog-Team zur WM geführt hatte und heute Nationaltrainer Chiles ist. Noch heute wird Ford als Berater von 300 Consulting, vormals nach Lees Initialen KL Consulting genannt, auf der Web-Präsenz des Unternehmens geführt.

Wie Sam Burgess in seinem Interview beschreibt, sei Ford vor und nach den Vorfällen um die WM 2015 mit ähnlichen intriganten Winkelzügen hinter den Kulissen aufgefallen. Es sei quasi ein Modus Operandi - aus deutscher Sicht lässt sich Burgess Urteil mit Blick auf die Geschehnisse hierzulande wohl bestätigen.

*Hinweis 5.6.2020, 9:00 Uhr: Kieran Lees hat uns kontaktiert und insistiert, dass Mike Ford nie finanzielle Leistungen von 300 Consulting oder der Vorgängerfirma KL Consulting erhalten habe. Aber auch an dieser Stelle möchten wir darauf hinweisen: Sowohl auf der Webseite von 300 Consulting, als auch auf der Webseite von KL Consulting wird Mike Ford bis heute als allererster "Experte" von 300/KL direkt neben Kieran Lees erwähnt und dargestellt. Sollte Ford dafür keinerlei Gehalt, Salär oder sonstiges erhalten, würde uns das zumindest verwundern. Wir haben dennoch die Formulierung leicht geändert und den Hinweis auf die "Gehaltsliste" gestrichen. Laut öffentlich in Großbritannien einsehbaren Dokumenten, die die Ltd. zugänglich machen muss, gibt es neben Kieran Lees noch einen weiteren Angestellten von 300 Consulting. Da Mike Ford auf der Webpräsenz immer direkt neben Lees genannt wird, liegt es zumindest sehr nahe, dass Ford dieser zweite Angestellte ist.

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