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Das ovale Leder fliegt wieder
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Dienstag, 2. Juni 2020

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Keine Zuschauer, aber das ovale Leder fliegt wieder in Australiens National Rugby League.

Knapp 70 Tage rugbyfreie Zeit hatten Freitag endlich ein Ende, die National Rugby League kehrte zurück. Zugegeben, im in Europa weitaus weniger beliebten 13er-Format League, am anderen Ende der Welt in Australien und weiterhin ohne Zuschauer. Dennoch, in schweren Zeiten kann man als Rugby-Fan nicht wählerisch sein. Und die Erkenntnisse, die die NRL gerade bei ihrem Neustart sammelt, dürften mit viel Interesse von allen anderen Rugby-Ligen und Kontaktsportarten weltweit verfolgt werden.

Als Liga-Chef Peter Vlandys im April das Neustart-Datum verkündete, erntete er viel Skepsis und zum Teil auch Spott. Nun ist die australische National Rugby League tatsächlich zurückgekehrt, als zweite Profi-Sportliga nach der deutschen Fußball-Bundesliga und als allererste Liga eines Kontakt-Mannschaftssports.

Erst gute zwei Wochen vor dem Neustart hatten Teams das grüne Licht bekommen, unter normalen Bedingungen und vor allem mit Vollkontakt zu trainieren. Auch wenn in Australien die Infektionszahlen seit Wochen auf niedrigem Niveau verharren - im Monat Mai von von zwei bis 30 Neuinfektionen pro Tag - war der Neustart der NRL alles andere als unumstritten.

Umstrittene Privilegien und Hyienemaßnahmen

Warum privilegierte Profisportler vor dem Rest der Bevölkerung zur Normalität zurückkehren dürfen, hatte nicht jedem eingeleuchtet. Besonders die Einreise der New Zealand Warriors aus Auckland, die eine Sondererlaubnis bekamen, während sonst aktuell niemand von Neuseeland nach Australien einreisen kann, sorgte für kontroverse Diskussionen. Doch mit Premierminister Scott Morrison, einem bekennenden Rugby-League-Fan, hatte die NRL einen wichtigen Fürsprecher. Morrison selbst erklärte vergangene Woche „besonders aufgeregt“ zu sein, aufgrund der Rückkehr seines Lieblingssports auf  dem Fernseher.

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Wie in der Fußball-Bundesliga auch mussten sich Spieler im Training strikte Hygiene-Regeln einhalten und sich von der restlichen Bevölkerung isolieren. Im Stadionumfeld wird bei allen Involvierten Fieber gemessen und Mundschutz ist Pflicht. Dazu machte die australische Liga eine Grippe-Impfung für Aktive und Trainerteam verpflichtend - diese hilft zwar nicht gegen das Coronavirus, kann aber in der nun Down Under anlaufenden Grippesaison wichtig sein, um potenzielle Verwechslungen mit dem Virus auszuschließen.

 

Die Rückkehr nach knapp 70 Tagen: Die Brisbane Broncos gegen Parramatta

Skandale und Impfgegner

Doch nicht bei allen Spielern war dieser Schritt willkommen. Gut ein Dutzend von ihnen weigerte sich und NRL-Spielerfrau Taylor Winterstein schwang sich zur Sprecherin der NRL-Impfgegner auf. Ihren gut 50.000 Instagram Followern berichtete sie in den letzten Wochen täglich von der sogenannten „SCAMdemic“ (Wortspiel mit Betrug und Pandemie) und „PLANdemic“ und startete eine Petition gegen eine Impflicht in Australien. Etliche Aktive unterstützten ihr Anliegen und mussten sich dafür rechtfertigen.

Andere Spieler ignorierten die Social-Distancing-Regeln gänzlich und kassierten dafür heftige Strafen. Josh Addo Carr und Mitchell Latrell spielen normalerweise in getrennten Farben für South Sydney und Melbourne - doch in der Coronakrise nutzten sie und acht andere Freunde die neugewonnene Freizeit für einen gemeinsamen Campingtrip mit Quad-Bikes und Waffen - alles fein säuberlich von Ihnen selbst für die Öffentlichkeit dokumentiert via Instagram. Die Folge: 1000$ Strafe von der Polizei und weitere 50.000$ von der Liga.

Logistische Herausforderung im Riesenland

Eine Bedingung für die Rückkehr der Liga war die Notwendigkeit von Reisen im riesigen Land zu reduzieren. Da man noch auf Fans in den Stadien verzichtet, war der Schritt hin zu neutralen Austragungsorten die beste Lösung. Die 16 Teams werden auf absehbare Zeit in nur sechs Stadien spielen, mit der Ausnahme von Brisbane allesamt im Bundesstaat New South Wales rund um die Metropole Sydney.

Gerade für das einzige neuseeländische Team in der NRL, die Warriors aus Auckland, eine mehr als ungewohnte Situation. Der einzige ausländische Klub der Liga muss nun seine „Heimspiele“ an der über vier Flugstunden entfernten Central Coast des australischen Bundesstaates austragen, eine gute Autostunde nördlich von Sydney. Zuvor mussten die Neuseeländer nach ihrer Einreise Anfang Mai zwei Wochen in Quarantäne in einem abgelegenen Ort im Outback.

Ein weiterer Nachteil, der den Warriors zu Teil wird, ist dass sie aktuell keinen Zugang zu ihren Nachwuchs- und U-23-Spielern haben, die in Neuseeland verweilen. Deshalb musste den Warriors ein Sonderrecht für Transfers und Ausleih-Deals inmitten der Saison gegeben werden, für den Fall, dass der Kader verletzungsbedingt dezimiert wird.

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Die North Queensland Cowboys und Melbourne Storm, eigentlich 2500 km voneinander getrennt am südlichen und nördlichen Ende der Ostküste beheimatet, teilen sich nun aus logistischen Gründen eine Basis in Sydney. Selbst die nur 2,5 Stunden von Sydney aus der Hauptstadt spielenden Canberra Raiders spielen nun in Australiens Mega-Metropole. Der Zweck: Die Notwendigkeit von Reisen soweit wie nur möglich beschränken.

Mehr Versuche und mehr Durchbrüche, noch keine Verletzungswelle

Nach der ersten Runde mit acht Spielen nach der Pause, die gleichzeitig die dritte der laufenden Saison ist kann man ein vorsichtiges Fazit ziehen. Viele Sportwissenschaftler und Mediziner hatten aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit der Profis eine Verletzungswelle befürchtet. Diese blieb glücklicherweise zunächst aus.

Dafür regnete es quasi Versuche - fast Doppel so viele Durchbrüche, als in den ersten beiden Runden gelungen den Teams im Schnitt. Sicherlich zum Teil wegen der mangelnden Match-Fitness, die gegen Ende für größere Defensiv-Lücken geführt hatte. Aber auch wegen einer kleinen Regeländerung, die das Langsamer-Machen von Rucks unattraktiver machte.

Australiens Sportfans dankten es der Liga mit Rekordeinschaltqouten: Knapp 5 Millionen verfolgten das Eröffnungswochenende insgesamt und davon entfielen 1,3 Millionen Zuschauer auf das allererste Duell zwischen den Brisbane Broncos und den Parramatta Eels, vor leeren Ränden aber künstlich hinterlegter Atmosphäre im TV. Lediglich hunderte Pappmaché-Figuren auf den Sitzen, säumten das Geschehen. Jedoch blieb auch das nicht ohne Kontroverse - Fans konnten für 22$ ein Bild von sich hochladen, was dann als Pappfigur auf die Ränge gelangte. So gelangte auch das Bild eines britischen Massenmörders, Harold Shipman, auf die Ränge.

Schon bald könnten aber wieder wirkliche Fans auf den Rängen sitzen: Zum 1. Juli will die Liga wieder Zuschauer in den Stadien erlauben, wobei die Corona-Regeln dies aktuell nicht zulassen und Experten davor warnen. In Neuseeland wird nach zehn Tagen ohne neuen Coronafall derzeit diskutiert, ob bereits zur ersten Runde von Super Rugby Aotearoa am 13. Juni Zuschauer in die Stadien können. Auch wenn es hierzulande noch eine Weile dauern dürfte, bis Normalität in den Rugby-Betrieb einkehrt - das ovale Leder fliegt wieder, wenn auch zunächst nur am anderen Ende der Welt.

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