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World Rugby dreht weiter an der Regelschraube
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Mittwoch, 13. Mai 2020

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Die Tacklehöhe ist für World Rugby weiterhin ein diskussionswürdiges Thema. Foto (c) Janus

Der Weltverband nutzte die gestrige Sitzung des World Rugby Councils um eine sofortige Regeländerung durchzusetzen. Künftig reicht es zum Erzielen eines Versuches nicht mehr, den Ball am unteren Rand der Stangen-Polsterungen abzulegen. Außerdem betrachtet man bei den Regelhütern einige laufende Experimente mit Wohlwollen - darunter auch ein Versuch in Frankreich, bei dem die legale Tacklehöhe auf den Bereich der Hüfte gesenkt wird.

Die Dringlichkeit dieses Themas war den Regelhütern im Dezember letzten Jahres durch Vorfall in einer Partie der Guiness Pro 14 klar geworden. Edinburghs Erste-Reihe-Stürmer Pierre Schoeman verteidigte mit seinen Teamkollegen den Ansturm der gastierenden Munster-Männer auf der eigenen Mallinie. Immer wieder rannte Munster an und schaffte es bis Zentimeter an das Malfeld der Gastgeber.

Als Munster in die Nähe der Stangen kam, versuchte der verteidigende Südafrikaner Schoeman, Munster einen Versuch zu verwehren, indem er die Polsterung der Goalstange anhob - warum? Seitdem im Rugby immer dicker werdenden Polsterungen in den 80ern und 90ern in Mode kamen, war es für einen Versuch ausreichend, den Ball unten an der Polsterung abzulegen, so dass er gleichzeitig diese und den Rasen berührt. Der Grund: Man wollte es angreifenden Teams durch immer dicker werdenden Polsterungen nicht schwerer machen zu punkten.

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Pierre Schoeman, der die Stangenpolsterung anhebt, um besser verteidigen zu können.


So versuchte Schoeman am ersten Adventswochenende den Angreifern die einfache Chance auf Punkte zu nehmen. Für Defensiv-Teams, die von hinter der Mallinie aus verteidigen müssen, war es nämlich immer schwerer geworden in diesen Situationen ein legales Abwehrrezept zu finden. Der damalige Schiedsrichter Marius Mitrea forderte Schoeman zwar auf die Polsterung loszulassen, konnte Schoeman aber den Regeln nach nicht für die Aktion bestrafen.

Dass ungepolsterte Goalstangen im modernen Hochgeschwindigkeitsrugby einen veritable Gefahr darstellen, ist unbestritten. So beschloss der Rat von World Rugby gestern per Telefonkonferenz mit großer Mehrheit diese Möglichkeit zur Erzielung eines Versuches einzukassieren. Künftig gilt ohne Ausnahme: Zum erzielen eines Versuches muss der Ball auf der Linie oder im Malfeld abgelegt werden.

Weitere Regelnovellen könnten Folgen

Ebenfalls ließ World Rugby gestern verlauten, dass im letzten August verkündete experimentelle Regeländerungen (TR berichtete) gute Resultate gezeigt haben und bei der Wiederaufnahme des Spielbetriebs weiter getestet würden. Dazu zählte unter anderem die Einführung eines Mallinien-Dropkicks - dieser soll erfolgen, wenn das angreifende Team im Malfeld hochgehalten wurde. Die Idee: Gut verteidigende Teams sollen für ihren Aufwand belohnt werden und können sich befreien.

Beim sogenannten 50/22 Kick kann eine angreifende Mannschaft, die aus der eigenen Hälfte aus dem offenen Spiel in die gegnerische 22 kickt und der Ball dort ins Aus rollt, selbst den Einwurf in die Gasse erhalten. Die zunächst widersprüchlich erscheinende Idee soll verteidigende Teams dazu zwingen, einen weiteren Außen aus der Verteidigungslinie zu nehmen, um den Hinterraum abzudecken. Das soll das Spiel offener gestalten und Räume schaffen. Wie der Dropout von der Mallinie, ist diese Idee vom Rugby League inspiriert.

Das Vorbild für den 50/22 ist der sogenannten 40/20 im Rugby Leauge, bei dem die Angreifer den Ball behalten

In französischen Amateurligen ist zudem eine neue Definition des legalen Tackles getestet worden. Hierbei wurden alle Tackles oberhalb der Hüfthöhe illegal gemacht und World Rugby zeigt sich mit den Resultaten zufrieden. Tackle-bedingte Verletzungen seien um zwei Dritte reduziert worden und Gehirnerschütterungen seien um 60% reduziert worden.

Noch ist nicht abzusehen, welche dieser Regelnovellen schlussendlich umgesetzt werden. Zumal gerade eine tiefere Tacklehöhe bei den Profis ungewollte Konsequenzen haben könnte, wenn es beispielsweise häufiger zum Kontakt Kopf mit Knie kommt. Außerdem wäre es ungemein schwerer Pick and Gos zu verteidigen. Aber angesichts des positiven Tons, den der Weltverband in seiner Verlautbarung anschlägt, ist nicht auszuschließen, dass alle Regel-Experimente schlussendlich umgesetzt und weltweit angewandt werden.

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