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Unsere Jungs in Frankreich: Corona-Pause, Unsicherheit und potenzielle Gehaltskürzungen
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Mittwoch, 25. März 2020

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Ex-Adler-Kapitän Ferreira: Aktuell in Frankreich in Quarantäne, die sich wie

In unserer TR-Serie haben wir euch regelmäßig darüber informiert, wie es den deutschen Profis auf der anderen Rheinseite in Frankreich ergeht. Bisher standen dabei die sportliche Entwicklung unserer Rugby-Legionäre und ihrer Vereine im Vordergrund - aber auch das ändert sich in Zeiten von Corona. Es herrscht Unsicherheit allerorts, nachdem der Spielbetrieb seit mittlerweile fast zwei Wochen ruht. Gehaltskürzungen wurden bei einigen Teams bereits implementiert, oder stehen im Raum und wann es auf dem Rasen weiter geht, kann aktuell niemand abschätzen.

Erste-Reihe-Stürmer Julius Nostadt befand sich eigentlich mitten im Abstiegskampf mit seinem Klub Aurillac. Der französische Zweitligist stand vor dem Abbruch des laufenden Spielbetriebs auf Rang 14 der Pro D2, also genau einen Platz vor den beiden Abstiegsrängen. Nach dem Heimsieg über Carcassonne am 6. März, bei dem Nostadt noch in den Farben Aurillacs auflief, war für die gesamte Liga eine Spielpause terminiert. Nostadt nutzte diese, um das heimatliche Heidelberg zu besuchen, wie er im Gespräch mit TR erklärt.

Ob Julius Nostadt noch Mal für seinen aktuellen Klub Stade Aurillacois auflaufen wird, steht derzeit in den Sternen

Während der ehemalige Löwen-Spieler in der Heimat weilte, verschlimmerte sich die Situation in seiner Wahl-Heimat indes zusehends. Als der Spiel- und Trainingsbetrieb dann vor gut zwei Wochen eingestellt wurde, befand sich Nostadt noch auf Heimaturlaub. „Ich habe mit meinen Trainern gesprochen und die waren der Meinung - ob ich jetzt in Frankreich nicht zum Training kann, oder hier bleibe - das sei dann schlussendlich auch egal“, so Nostadt gegenüber TR.

Wird Julius Nostadt noch Mal für Aurillac auflaufen?

Seitdem hat sich der Heidelberger mit der „ungewöhnlichen Situation“ arrangiert - Nostadt hat sich daheim ein kleines Home Gym eingerichtet und geht regelmäßig Joggen. Der Blick auf die nächsten Wochen ist ein ungewisser. Nostadt hat von Gerüchten gehört, denen zu folge die Saison in Frankreich auf dem jetzigen Stand eingefroren und beendet wird und man im Sommer von neuem starten wird. Für Nostadt würde das bedeuten, dass sein nächstes Ligaspiel in Frankreichs erster Liga wäre, der Top 14.

Denn der ehemalige Kapitän der schwarzen Adler hatte bereits vor einigen Monaten einen neuen Vertrag bei Castres Olympique unterschrieben (TR berichtete), dem französischen Meister von 2018. Nostadt erklärt: „Es ist ein wenig stressig, eigentlich will ich ja schon Ende Mai umziehen, aber da muss ich halt schauen was passiert - zur Zeit lebe ich ein wenig von Tag zu Tag“.

Ex-Adler-Kapitän Sebastian Ferreira ist aktuell noch bei der US Chambery, dem ehemaligen Klub von Julius Nostadt, in den französischen Alpen unter Vertrag. Der Deutsch-Südafrikaner hat aber nicht den Luxus, seine vertragliche Zukunft bereits geklärt zu haben, wie er im Gespräch mit TR erklärt. Sein Arbeitspapier läuft Ende Juni aus und die Corona-Krise platzte genau in die Gespräche über eine Vertragsverlängerung hinein.

Anders als Nostadt, befindet sich Ferreira noch in Frankreich und muss sich dementsprechend an die im Vergleich zu Deutschland strikteren Ausgangsregelungen halten. „Es ist sicher keine ideale Situation, immerhin können wir noch aus der Wohnung, um eine Stunde in der Nähe des Hauses zu joggen, aber selbst dafür braucht man eine ausgedruckte und selbst unterschriebe Erlaubnis“, wie Ferreira erläutert. Er versucht sich in der erlaubten Stunde pro Tag soweit es geht fit zu halten und sich sonst theoretisch über Rugby weiter zu bilden, mit Büchern und alten Spielen.

Über die nähere Zukunft macht sich Ferreira keine Illusionen. An eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist aktuell nicht zu denken - eine Rückkehr zur Familie nach Südafrika ist aufgrund der Reisebeschränkungen aktuell auch illusorisch, so dass er auf absehbare Zeit allein in Chambery verweilen muss. Seine Freizeit nutzt er aktuell abseits der Fitness-Einheiten, um sich im Appartmentblock als Nachbarschaftshelfer anzubieten.

Sebastian Ferreira über das Leben in Chambéry aktuell: „Es ist wie im Film I am Legend“

Dazu vermisst der großgewachsene Dritte-Reihe-Stürmer das Trainings-Regime, an das er sich über Jahre gewöhnt hatte: „Wir als Rugby-Spieler sind es gewöhnt draußen zu sein, uns ständig zu verausgaben, nun stecken wir drinnen fest - jetzt weiß man mehr als je zuvor das Training zu schätzen, ich werde mich nie wieder über irgendeine Fitness-Einheit beschweren!“

Der Alltag in Chambery ist für Ferreira derweil schon nahezu surreal, wie er erklärt: „Viele kennen sicherlich den Film <I am Legend> mit Will Smith, genauso fühlt es sich da draußen an, wenn man zum Einkaufen oder Joggen rausgeht - mir fehlt nur noch die Shotgun und der Hund, dann würde es perfekt passen.“

Eric Marks nutzt die Auszeit für Universitäts-Klausuren

Ebenso wie Julius Nostadt, verharrt Eric Marks während der Rugby-freien Zeit in Deutschland. Der Zweite-Reihe-Stürmer hatte in seiner Debüt-Saison bei den Profis den Durchbruch geschafft und wurde beim Bretonischen RC Vannes in der Pro D2 zum Stammspieler. Die französische Zeitung Télégramme adelte den Aachener gar als „künftigen Rugby-Botschafter in Deutschland“. Seine Debüt-Saison endet nun aber wohl mit einer Niederlage in Angoulême, wo Marks Anfang März noch 70 Minuten auf der ungewohnten Flanker-Position spielte.

Eric Marks tacklet einen Gegenspieler von Biarritz Olympique

Vannes liegt als Achter im Klassement mit nur fünf Zählern Rückstand auf Biarritz noch in Reichweite der Playoffs. Doch Marks selbst glaubt derweil nicht an eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs in naher Zukunft. „Das einzige, was ich mir vorstellen könnte, wären Geisterspieler, auch wenn das einem wirtschaftlicher Totalschaden gleichkäme“, so Marks zu TR. Denn gerade der RC Vannes, bei dem er und Christopher Hilsenbeck spielen, verkauft sein Stade de la Rabine regelmäßig mit 10.000 Zuschauern aus.

Die Spielpause Mitte März hatte auch Marks dazu genutzt, um die Heimat zu fahren. Er musste weitere Klausuren an der RWTH Aachen schreiben, wo er parallel zum Rugby-Profitum einen Ingenieurs-Studiengang absolviert. Seitdem bleibt Marks in seiner Heimatstadt, da das Training in der Bretagne abgesagt wurde. Daheim absolviert Marks nun individuell Einheiten, soweit dies die Umstände zulassen.

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