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TR-Vorschau Six Nations: Vorentscheidungen an Spieltag drei
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Donnerstag, 20. Februar 2020

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Wales geht mit der erfahrensten Mannschaft der Six-Nations-Geschichte in das Duell mit den jungen Wilden aus Frankreich.

Der dritte Spieltag der Six Nations 2020 und drei brennende Fragen: Gelingt Italien daheim gegen Schottland der erste Sieg seit 2015, als die Azzurri ebenso gegendie Schotten  siegen konnten? Kann Frankreich seine tolle Form auch auswärts in Cardiff unter Beweis stellen und so zum Titelfavoriten aufsteigen? Kann sich England mit einem Sieg gegen Irland im Titelkampf zurückmelden?

Die Tabelle

Rang Land Spiele Punkte Differenz
1. Frankreich 2 9 +20
2. Irland 2 9 +17
3. Wales 2 5 +32
4. England 2 5 0
5. Schottland 2 2 -14
6. Italien 2 0 -55

Italien - Schottland
Samstag 22. Februar, 15:15 Uhr, Stadio Olimpico Rom (Live bei ProSieben Maxx / DAZN)

Seit dem Start der Six-Nations-Ära im Jahr 2000, hat nur ein einziges Mal ein Team außer Italien und Schottland den sogenannten Wooden Spoon geholt. 2013 waren es die Franzosen, die die „Auszeichnung“ für den letzten Platz bei den Six Nations holten. Nachdem die Schotten in den letzten Jahren einen sportlichen Aufschwung erlebt hatten, schien Italien zuletzt ein Abo auf Rang sechs zu haben. Da sich das schottische Team in den letzten Wochen und Monaten aber auf und neben dem Platz selbst zerlegt hat, gibt es am Samstag in Rom wieder ein echtes Entscheidungsspiel, wenn auch nur darum, den letzten Rang zu vermeiden - denn dem Verlierer scheint diese Schmach schon fast garantiert zu sein.

Italien geht nach der ermutigenden Leistung von Paris, wo die Azzurri bei ihrer Niederlage immerhin drei Versuche gegen den Tabellenführer erzielten und phasenweise munter mitspielten, mit Rückenwind in das erste Heimspiel des diesjährigen Turniers. Coach Franco Smith, der nach dem Abschied von Conor O’Shea zunächst nur auf Interimsbasis angestellt ist, will auf die „ermutigende Leistung“ in Paris aufbauen. Deshalb nominierte der Südafrikaner mit einer Ausnahme dieselbe 23, wie vor zwei Wochen im Stade de France. Veteran Alessandro Zanni kehrt in die zweite Sturmreihe zurück und erhält so seinen 119. Einsatz für sein Land.

Wie hier in Paris konnte Italien dieses Jahr sein Potenzial des öfteren zeigen

Das Spiel sollen erneut Tomasso Allan auf der Zehn und der gelernte Innen Carlo Canna auf der Zwölf ankurbeln. Gegen Frankreich in Paris war dies dem Duo zusehends gelungen. Vor allem aber war Matteo Minozzi aber Italiens bester Angreifer. Der nur 1,74 m große Außendreiviertel beschäftigte immer wieder gleich mehrere Franzosen, wenn er das Leder unter dem Arm hatte. Bei sonnigen 17 Grad und einem schnellen Geläuf am Samstag in Rom dürften Minozzis schnelle Gegenstöße noch wirksamer sein, als im Regen von Paris vor zwei Wochen.

Bei den Schotten war seit der niederschmetternden Niederlage im eiskalten Monsun von Edinburgh gegen England vor zwei Wochen Wundenlecken angesagt. Im Duell mit Erzrivale England hatte Schottland das Duell im Sturm verloren und ohne seinen Weltklasse-Spielmacher Finn Russel kein spielerisches Mittel gefunden, um die weiße Defensivwand zu durchbrechen. Entgegen der Hoffnungen vieler schottischer Fans wird Russell auch im wohl wichtigsten Spiel des Turniers in Rom fehlen. Der Racing-Zehner hatte nach wiederholten Streitigkeiten mit Coach Gregor Townsend vor dem Auftaktspiel das schottische Camp verlassen und ist seitdem nicht wieder berücksichtigt worden.

Die Diskussion um Schottlands talentiertesten Rugger überschattete die gesamte Vorbereitung auf das so wichtige Duell in Italien. Dabei hilft es nicht, dass Russel-Ersatz Adam Hastings zwar solide spielt, das Team aber unter seiner Regie in über 160 Minuten Six-Nations-Rugby nicht einen einzigen Versuch legen konnte und das mit einer Mannschaft, die im letzten Jahr noch die zweitbeste Offensive hatte.

TotalRugby-Prognose: Sollte Italien dieses Duell verlieren, wäre es die 25. Pleite in einem Six-Nations-Spiel in Folge. Dieses silberne Jubiläum wollen die Azzurri mit alle Macht vermeiden. Doch dazu müssten sie in erster Linie ihre löchrige Defensive, die auch in dieser Saison mit bereits 10 kassierten Versuchen die schlechteste ist, aufbessern. Für Schottlands stotternde Angriffsmaschinerie sicherlich die beste Gelegenheit, endlich zu Versuchen zu kommen. Zunächst dürften es die Schotten aber, wie bereits gegen Japan in der WM-Gruppenphase mit ihrem schweren Sturm versuchen. Es dürfte ein enges Spiel werden in Rom, aber am Ende sehen wir von TR Schottland knapp mit +5 Punkten vorne.

Wales - Frankreich
Samstag 22. Februar, 17:45 Uhr, Principality Stadium (Live bei ProSieben Maxx / DAZN)

Für Frankreichs stürmische Jugend wird es die Feuerprobe schlechthin werden. Nach zwei souveränen Heimsiegen und der damit verbundenen Tabellenführung muss das jüngste Team des Wettbewerbs nun in Wales antreten. Die Gastgeber stellen der Offensiv-Power der Franzosen die erfahrenste Mannschaft in der Geschichte des Wettbewerbs entgegen. Knapp 60 Länderspiele hat die Start-XV der Waliser im Schnitt bereits an Erfahrung gesammelt.

Doch bisher hat dies die Franzosen nicht davon abgehalten, mit ihrem atemberaubenden Offensiv-Rugby zu überzeugen. Angeführt vom überragenden Gedrängehalb Dupont und dirigiert vom erst 20-jährigen Verbinder Ntamack, konnten Les Bleus bisher die Defensive Englands und Italiens sezieren. Jedoch jeweils daheim - Frankreichs Auswärts-Leistungen ließen in den letzten Jahren des öfteren zu wünschen übrig. 

Sollte das blutjunge Team auch im Hexenkessel von Cardiff bestehen können, wäre der Weg zum Titel geebnet. Der Schlüssel dazu könnte die Defensive sein, die unter dem neuen Defensiv-Coach Shaun Edwards wie ausgewechselt agiert. Mit 52 dominanten Tackles, bei der der Gegner hinter der Vorteilslinie gestoppt wurde, führen les Bleus die Statistik mit Abstand an. Wales hat in den bisherigen beiden Spielen nur 33 derartige Tackles gesetzt.

Daheim ist der Titelverteidiger aber eine Macht - mit über 70.000 lautstarken Fans im Rücken, die das Team beflügeln, geht Wales selbstbewusst in diese Partie. Coach Pivac baut explizit auf die Erfahrung seiner Truppe und bringt mit Dritte-Reihe-Stürmer Moriarty und Gedrängehalb Gareth Davies zwei erfahrene Kräfte neu in die Start-XV. Gegen Irland hatte Wales zeitweise gefällig kombiniert, den Kampf an den Kontaktpunkten aber ein ums andere Mal verloren und so viel zu wenig Ballbesitz.

Kontrovers ist dagegen die Entscheidung Dan Biggar erneut auf der Zehn aufzustellen. Der Verbinder hatte in den letzten Monaten mehrfach Probleme mit Gehirnerschütterungen und musste auch gegen Irland deshalb vom Feld. Bei den Walisern betont man alle Regularien eingehalten zu haben und dass Biggar alle Tests bestanden habe. Dennoch hagelte es ob der Entscheidung Biggar spielen zu lassen reihenweise Kritik. Aus Team-Sicht ist seine Aufstellung aber wichtig: Sein Ersatz Jarrod Evans konnte in der zweiten Halbzeit gegen Irland vor zwei Wochen noch nicht unter Beweis stellen, internationale Klasse zu besitzen.

TotalRugby-Prognose: Wenn Wales auch gegen die Franzosen versucht mit Offloads und einem offenen Spiel zum Erfolg zu kommen, steht uns ein Klassiker unter dem Dach des Principality Stadiums bevor. Gegen Irland versuchte es selbst Veteran Alun Wyn Jones immer wieder mit dem Pass im Tackle und leitete so einen der beiden walisischen Versuche ein. Am Ende fehlte den Walisern aber ein Plan B um Irlands Power-Spiel zu kontern. Wie sich die Waliser gegen eine französische Mannschaft schlagen wird, die selbst durch ihre Spielfreude besticht, dürfte faszinierend zu sehen sein. Frankreich hat mit Virimi Vakatawa, der nach einer Blessur auf die 13 zurückkehrt, eine weitere Offensiv-Waffe, die sein Gegenüber Nick Tompkins erstmal unter Kontrolle bekommen muss. Insgesamt sehen wir die französische Mannschaft, auch wegen ihrer durch Trainer Edwards weitaus stabiler gewordenen Defensive, knapp mit +6 Punkten vorne.

England - Irland
Sonntag 23. Februar, 16:00 Uhr, Twickenham Stadium (Live bei ProSieben Maxx / DAZN)

Es ist eines dieser Duelle, die die Six Nations derart besonders machen. Dessen ist sich natürlich auch Irlands neuer Coach Andy Farrell bewusst, der nicht nur Engländer und ehemaliger Nationalspieler Englands ist. Sein Sohn Owen ist zugleich der Kapitän des Vizeweltmeisters und Coach Eddie Jones hatte ihm 2018 die Rolle des Defensiv-Coaches bei England angeboten. Farrell lehnte dankend ab und tritt nun als Nachfolger von Joe Schmidt selbst als Nationaltrainer in Twickenham an, nur eben nicht als Coach seines Heimatlandes, sondern als der der Iren.

Der Engländer Farrell hat in den letzten Tagen alles daran gesetzt bei seinen irischen Jungs den Nationalstolz zu wecken, der für die Boys in Green gerade gegen England immer für ein wenig extra Motivation gesorgt hat. So hat Farrell U2-Sänger Bono unter der Woche in das irische Camp eingeladen - der aus Dublin stammende Rock-Superstar referierte vor dem Team darüber, was es bedeute irisch zu sein. Selbst für eingebürgerte Iren, wie Dritte-Reihe-Stürmer CJ Stander, der gebürtiger Südafrikaner ist, eine besondere Erfahrung, wie dieser gegenüber den irischen Medien unterstrich.

Wie weit dieser Nationalstolz die Iren tragen kann, konnte Farrell selbst erfahren. 2007 spielte Irland während dem Umbau des Rugby-Stadions im Croke Park, der Heimat der gälischen Sportarten und gleichzeitig der Ort, an dem englischen Soldaten am Bloody Sunday 1920 im irischen Unabhängigkeitskampf wahllos in die Masse feuerten und so 14 unschuldigen Iren das Leben nahmen. Die Symbolik der Begegnung, die Tatsache, dass 87 Jahre nach dem Bloody Sunday God save the Queen an diesem Ort gespielt wurde, all dies machte das Spiel besonders und beflügelte die Iren. Sie fegten England und Farrell mit 43:13 aus dem Croke Park, bis heute der höchste Sieg für Irland gegen den Erzrivalen.

Andy Farrell musste 2007 am eigenen Leibe erfahrenen wie sehr die Iren die Rivalität mit England anspornt

Ein ähnliches Feuer will Farrell auch am Sonntag entfachen und hat sich für eine Aufstellung entschieden, die für sein Konzept der Evolution steht. Farrell hat seit seiner Übernahme des Amtes nur an sehr wenigen Stellschrauben gedreht und setzt auf den Schlüsselpositionen weiter auf das Personal, mit dem Joe Schmidt viele Erfolge, aber im letzten Jahr bei der WM und den Six Nations auch derbe Rückschläge erlebt hatte. Doch mit dieser eher konservativen Herangehensweise reichte es immerhin für zwei großartige Siege - der Heimsieg gegen Schottland war vor allem über die großartige Defensive erspielt worden, doch gegen Wales zeigten die Iren auch mehr in der Offensive. England wird aber der bisher schwerste Test, zumal in Twickenham - sollten die Boys in Green diesen aber bestehen, sind sie mit einmal Favorit auf den Turniersieg.

Das wird England mit Eddie Jones verhindern wollen. Mit Manu Tuilagi kommt pünktlich zum Heimauftakt ein absoluter Schlüsselspieler zurück. Nachdem die Iren gegen Wales körperlich dominant aufgetreten waren, wird England da eine andere Hausnummer sein, zumal mit Tuilagi auf Innen. Ungewohnt ist die Wahl von Jonathan Joseph auf Außen, nachdem mit George Furbank der Schluss der ersten beiden Partien ausfällt. Elliot Daly rück von Außen auf Schluss, so dass Eddie Jones den gelernten Innen erstmals auf der 14 einsetzt.

Im Sturm kehrt Joe Marler zurück, während Ellis Genge, der England in der Regenschlacht von Edinburgh von der Bank den Sieg beschert hatte, wieder im zweiten Durchgang für Druck sorgen soll. Zwar ist für London am Sonntag wieder Regen angekündigt, doch werden die Bedingungen ungleich besser sein, als vor zwei Wochen in der schottischen Hauptstadt. Englands Fans dürften also nicht noch einmal mit einem Kickfest von Verbinder Ford malträtiert werden. Für England ist das Spiel gegen Irland die Chance ins Titelrennen zurückzukehren.

TotalRugby-Prognose: Es wird das 136. Duell beider Teams seit dem ersten Aufeinandertreffen im Jahr 1875. Die Rivalität Irlands und Englands rührt nicht nur aus sportlichen Gründen, gute einhundert Jahre nach der Unabhängigkeit der grünen Insel von der Krone. Heutzutage macht die pikante Situation von Andy und Owen Farrell dieses Spiel besonders. Sollte Vater Andy der Coup über Sohn Owen gelingen, wäre dies für den neuen Irland-Coach eine Art Adelung. Denn eigentlich sieht man in Dublin einen englischen Coach von Natur aus kritisch. Am Sonntag im natürlich seit Monaten ausverkauften Twickenham Stadium wird Andy seine schwerste Aufgabe bisher vor der Brust haben. Zwei eingespielte Teams treffen dort aufeinander mit einem klaren Konzept - große Überraschungen sind weder hier noch da zu erwarten. Mit dem Heimvorteil im Rücken und dem Sturm, der England bis ins WM-Finale von Yokohama gebracht hat, sehen wir das Mutterland knapp vorne. England gewinnt mit +4 Punkten.

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Letzte Aktualisierung ( Freitag, 21. Februar 2020 )
 
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Tabelle Six Nations 2014

   SP
Irland Irland58
England England58
Wales Wales56
Frankreich Frankreich56
Schottland Schottland52
Italien Italien50

Ergebnisse Six Nations 2014

Sa, 15. Mär 2014
18:00 Uhr
Frankreich
Frankreich
20:22 Irland
Irland
Spielbericht

15:45 Uhr
Wales
Wales
51:3 Schottland
Schottland
Spielbericht

13:30 Uhr
Italien
Italien
11:52 England
England
Spielbericht

Top Try Scorer Six Nations 2014

Yoann Huget (FRA)   2
Luther Burrell (ENG)   2
Michele Campagnaro (ITA)   2
Mike Brown (ENG)   2
George North (WAL)   1

gesamte Tabelle

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