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Drei TR-Thesen zu den GPS-Turnieren von Marcoussis
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Sonntag, 1. Juli 2018

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Auch wenn das Finale zur herben Niederlage wurde, die DRV VII setzt ihren Aufwärtstrend fort.

Gleich beide Siebener-Mannschaften des DRV waren am Wochenende in Marcoussis im Einsatz. Während die Herren mit dem Finaleinzug glänzten und am Ende gegen Irland eine herbe Klatsche verdauen mussten, bangen die Damen um den Klassenerhalt. Wir analysieren das Geschehen aus dem Pariser Süden.

Die Finalniederlage war eine herbe Klatsche, spiegelt aber nicht das Leistungsniveau beider Teams wieder

Eine derart hohe Niederlage hatte die DRV VII schon lange nicht mehr hinnehmen müssen. Es war ein Spiel, in dem für die DRV-Auswahl rein gar nichts zu laufen schien. Einer der größten irischen Stärken, die Dominanz bei den eigenen und gegnerischen Ankicks, wurde unserer Siebener-Mannschaft zum Verhängnis. Nachdem der erste deutsche Ballbesitz unter Druck unglücklich mit einem Vorball endete, hatte die deutsche Mannschaft gefühlt bis Mitte der zweiten Hälfte keine Bälle mehr.

Irland wurde dazu immer selbstbewusster und platzierte ein gelungenes Offload nach dem anderen. Hatte die deutsche Mannschaft noch gegen England im Semifinale ein großartiges Comeback hingelegt und dabei Moral, Kampfgeist und vor allem extrem viel Willen bewiesen, hingen die Köpfe gegen Irland zu früh. Umso einfacher war es für den Moskau-Sieger sein Kombinationsspiel aufzuziehen und so trauten sich gerade die Stürmer um McNulty und Fitzpatrick mehr und mehr gewagte, aber schlussendlich erfolgreiche Offloads zu.

Ein Spieler, der beim heutigen Finale an der Seitenlinie stand und dieses Gefühl nur zu gut nachvollziehen kann, ist Oliver Lindsay-Hague. Im Halbfinale hatte er zuvor mit England gegen unsere Siebener-Jungs hauchdünn verloren, doch woran ihn dieses Finale viel eher erinnert haben müsste, ist das Olympia-Endspiel von Rio. Damals hatte er mit Team Großbritannien eine ähnliche Klatsche kassiert - Fidschi hatte, wie Irland heute, die Ankicks dominiert, Offload um Offload gespielt und am Ende mit 43:7 das Siebener-Debüt bei den Spielen gewonnen.

Kurz gesagt: Im Siebener passieren solche Spiele und unsere Jungs sind, wie man aus dem Team vernehmen kann, alles andere als zufrieden mit diesem Endspiel. Sicherlich ist uns Irland momentan vom Leistungsniveau wohl einen Schritt voraus, das heutige Ergebnis jedoch spiegelt das Kräfteverhältnis auf keinen Fall wieder. Beim ersten EM-Turnier in Moskau hatte unsere DRV VII zwei Minuten vor Schluss die Chance auf den Ausgleich, kassierte aber stattdessen einen 90-Meter-Konter, der den Iren den Sieg bescherte. Ein Sieg schien keines Falls außer Reichweite.

Seitdem haben die Iren bei ihren beiden World-Series-Gastspielen in London (3. Platz, Allzeit-Rekord für ein Gast-Team) und Paris (7. Platz) unglaublich viel Selbstbewusstsein tanken können. 2017 konnte die DRV VII, trotz einer insgesamt deutlicher schlechteren Saison, Irland zumindest einmal schlagen. Ein Sieg noch in dieser Saison wäre wichtig, damit den Iren in den Köpfen unserer Jungs nicht der Nimbus der Unschlagbarkeit anhängt. 

Die Leistung von Moskau bestätigt und bewiesen: Die DRV VII ist stärker, als je zuvor

Es war überhaupt erst das zweite Finale eines EM-Turniers, das die deutsche Mannschaft jemals erreicht hat. Mit dem erneuten Finaleinzug, nur fünf Wochen nach der Premiere, hat unsere DRV-Auswahl nicht nur das Ergebnis von Moskau bestätigt. Schon zur Halbzeit des EM-Sommers lässt sich bestätigen, dass auch die in den Vorjahren oftmals vermisste Leistungs-Konstanz nun da ist. Die GPS-Turnierergebnisse der Jahre 2017 (Siebter, Fünfter,Vierter, Siebter) und 2016 (Vierter, Sechster, Achter) zeigen dies deutlich.

Auch die einzelnen Resultate belegen dies: Beispielsweise hatte unsere Nationalmannschaft bisher nur ein einziges Mal überhaupt gegen Russland gewinnen können - nun sicherte sich unsere Mannschaft gleich zwei Siege in Folge gegen den World-Series-Absteiger. Russlands absoluter Starspieler Vladimir Ostroushko hatte die Angewohnheit sowohl im XVer, als auch im Siebener gegen die deutsche Mannschaft immer wieder in Hochform aufzulaufen und die Spiele zu Gunsten seiner „Sbornaja“ zu entscheiden. Im gestrigen Gruppenspiel blieb er wirkungslos.

Nach zwei von vier Turnieren steht unsere DRV VII glänzend da, bereits in Exeter könnte die Hongkong-Quali folgen

Auf dem Feld zeichnet die deutsche Mannschaft in dieser Saison mehr taktische Flexibilität aus. Wenn es mit der Brechstange durch die Mitte und dem geduldigen Phasenspiel über die breite des Platzes nicht funktioniert, folgt halt der Cross-Kick. Den können im DRV-Team gleich mehrere setzen und in Hongkong, sowie an diesem Wochenende in Marcoussis wurde er zur Waffe. Defensiv agiert die deutsche Mannschaft, „wie ein Rudel Wolfe“.

Dazu ist das Team weniger, als je zuvor, von einzelnen Spielern abhängig. Fabian Heimpel beispielsweise bleibt als Verbinder ein absoluter Leistungsträger der Mannschaft. Aber im letzten Gruppenspiel gestern gegen Russland, mit der bereits gesicherten Viertelfinal-Quali in der Tasche, konnte es sich Nationaltrainer Zangqa leisten den DRV-VII-Spielmacher über 14 Minuten lang zu schonen.

Während in der Vorsaison die Auswechsel-Alternativen von der Bank mit einem gewissen Leistungsabfall verbunden waren, ist dies in dieser Saison mit fast identischem Personal nicht mehr der Fall. Vuyo Zangqa rotiert seinen Kader weitaus mehr, als dies seine Vorgänger getan hatten. Das nützt den alteingessenen Stammspielern, die so des Öfteren geschont werden können. Und die vermeintlichen Ergänzungsspieler bekommen durch Zangqas Game-Management mehr wichtige Spielpraxis.

Gerade gegen England heute haben die Bankspieler schlussendlich den Unterschied gemacht. Gegen Russland und Portugal rotierte Zangqa die vermeintlich beste Aufstellung gehörig durch und hatte damit durchschlagenden Erfolg.

Mit Sam Rainger, Sebastian Fromm, Phil Szczesny, Leon Hees, Claude Brechenmacher und Marvin Dieckmann fehlten standen zudem sechs absolute Leistungsträger der vergangenen Jahre verletzungsbedingt nicht zur Verfügung. Weitere sehr talentierte und EM- und Honkong-erfahrene Spieler sind knapp an der Nominierung vorbeigeschrammt.

Die Kadertiefe der DRV VII hat sich stark verbessert, womit der Kampf um die Turnier-Nominierungen zunehmen und das Leistungsniveau hoffentlich steigen wird.

Für die DRF VII wird der Klassenerhalt trotz guter Ansätze verdammt schwer

Die Damen EM-Serie findet, ander als bei den Männern, nur über zwei Turniere statt. Unsere DRF VII hat sich mit dem letzten Platz von Marcoussis eine schwere Bürde aufgelastet, die es nun im russischen Kasan am ersten und zweiten September zu egalisieren gilt. Zwei Zähler beträgt der Rückstand auf Rang zehn und damit das rettende Ufer.

Dort rangieren gerade die Polinnen - der Aufsteiger aus der letzten Saison hatte das direkte Duell mit unseren Mädels 19:0 gewonnen. Dabei schienen die polnischen Frauen unserer Auswahl spielerisch nicht wirklich überlegen zu sein - einzig körperlich und konditionell war dies deutlich wahrnehmbar der Fall.

Symptomatisch dafür: Beim Stand von 0:12 und abgelaufener Uhr erhielt unsere DRF VII an der Mittellinie einen Straftritt. Statt diesen schnell anzuspielen, um eventuell den Rückstand zu verkürzen, diskutierten die deutschen Damen bis sich die polnische Defensive die benötigten zehn Meter zurückgezogen hatte. Dann kratzte man den Ball schließlich an und kickte zur Halbzeitpause ins Aus. Mit der ersten Aktion der zweiten Hälfte sorgte Polen mit dem dritten Versuch für die Entscheidung.

Um in den Kontaktsituationen körperlich mit der Konkurrenz mithalten zu können, wird die Rückkehr einiger Leistungsträgerinnen sicherlich hilfreich sein. Denn mit Steffi Gruber, Anja Czajka, Mette Zimmat oder Julia Braun im Kader dürfte einiges an Kraft und Erfahrung in den Kader zurückkehren. Dazu wird die Mannschaft in den zwei vollen Trainingsmonaten bis zum abschließenden Turnier in Russland mit Stützpunkttrainer Max Pietrek arbeiten, um besser auf diesem hohen Niveau mithalten zu können.

Gute Ansätze waren auch an diesem Wochenende durchaus zu sehen. Gegen Olympiateilnehmer Spanien zeigte unsere DRF VII die beste Turnierleistung und war knapp an einer Überraschung dran. Im abschließenden Spiel gingen unsere Damen gegen Portugal gar mit zwei Versuchen in Führung, doch zwei verpasste mittige Erhöhungen sollten sich rächen. Die Ibererinnen kamen zurück und einen einzige Erhöhung brachte ihnen den Sieg.

Den deutschen Damen ist nach diesem Wochenende von Marcoussis klar, was sie leisten müssen, um die höchste europäische Spielklasse zu halten. Mut machen dürfte ihnen die Tatsache, dass auch ihre männlichen Kollegen 2012, im ersten Jahr nach dem Wiederaufstieg, mit einem letzten Platz auf die GP-Serie starteten und später dennoch den Klassenerhalt schafften. Sollte den Damen dies in Kasan auch gelingen, bleibt ihnen ein weiteres Jahr um sich an das Niveau zu gewöhnen. Mit einem Altersschnitt von um die 20 Jahre hätte diese Mannschaft viel Zeit sich großartig zu entwickeln.

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Ranking GPS 2018

P
1 Irland
Irland 40
2 Deutschland Deutschland
36
3 Russland Russland 26
4 GB
England 24
5 GB
Frankreich 24

Italien Italien 18
7 Portugal Portugal 10
8 Wales
Wales 10
9 Spanien Spanien 10
10 Georgien Georgien 5
11 Polen
Polen
5
12 Schweden
Schweden 4

Ranking Women's Trophy 2016

P
1 Schweden
Schweden 20
2 Schottland
Schottland 18
3 Polen
Polen 16
4 Deutschland
Deutschland 14
5 Rumänien
Rumänien 12
6 Schweiz
Schweiz 10
7 Ungarn
Ungarn 8
8 Tschechien
Tschechien 6
9 Moldawien
Moldawien 4
10 Israel
Israel 3
11 Norwegen
Norwegen 2
12 Dänemark
Dänemark 1
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