TR-Review Rugby-Bundesliga: 1880 mit dominanten Auftritt, NSU verabschiedet sich mit Feuerwerk
Geschrieben von TotalRugby Team   
Montag, 20. Mai 2019

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Triumph für 1880 im Spitzenspiel und damit die Pole Position im Titelrennen. Foto (c) FB 1880

Der letzte reguläre Spieltag der Bundesliga-Saison 2018/2019. In Handschuhsheim konnte sich Frankfurt 1880 mit einem dominanten Auswärtssieg die Pole-Position für die Playoffs um den Titel sichern. Beim Klub endete die Saison versöhnlich, so dass der Fokus auf gleich drei Abschieden zum Saisonende lag. Im Norden konnte der RK 03 sich ebenso Rang drei sichern, in einem spannenden und direkten Duell mit dem RC Leipzig.

Süd / West

Tabelle

Rang Team Spiele Punkte Differenz
1 SC Frankfurt 1880 14 64 +480
2 TSV Handschuhsheim 14 58 +319
3 Heidelberger RK 14 48 +252
4 RG Heidelberg
14 43 -13
5 RK Heusenstamm 14 30 -25
6 RC Luxemburg
14 19
-316
7 SG TV / CfR Pforzheim 14 20 -244
8 Neckarsulmer SU
14 12 -453

TSV Handschuhsheim 26 - 42 SC Frankfurt 1880

Mit so einem deutlichen Ergebnis hätten wohl nur die wenigsten gerechnet. Der SC Frankfurt 1880 trat in Handschuhsheim an, um seine Meisterschafts-Ambitionen zu untermauern. Genau das ist den Rot-Schwarzen gelungen, in aller Deutlichkeit und nach diesem letzten Spieltag der regulären Saison kann man festhalten: Frankfurt geht als absoluter Favorit in die Playoffs um den Titel. Es wäre der erste seit zehn Jahren.

Für Frankfurts Coach Byron Schmidt war das Duell auf dem künstlichen Grün des TSV Handschuhsheim eine „gute Werbung für den deutschen Rugbysport“. Für die unterlegenen Löwen hatte der Südafrikanern nur lobende Worte übrig: „Der TSV ist eine tolle Mannschaft, wir haben viel Respekt vor ihnen und umso mehr freuen wir uns über das gute Resultat.“ Sein gegenüber Gordon Hanlon sprach von der „schlechtesten Saisonleistung“, die seine Männer im bisher wichtigsten Saisonspiel abgeliert hätten. Man habe sich, so der Ire, selbst viel Schaden zugefügt, könne daraus aber seine Lektionen lernen.

Frankfurt hatte am Samstag den klar besseren Start erwischt und war durch einen Parkinson-Penalty und einen Versuch von Edu Stella früh mit 10:0 in Front. Handschuhsheim haderte mit sich selbst und konnte sich selten befreien - Frankfurt spielte wie erwartet auf Feldposition und versuchte die Löwen im letzten Feldrittel festzunageln und Fehler zu erzwingen. Verbinder Deichmann und Innen Parkinson wussten mit ihrem guten Kickspiel den Rhythmus des Spiels zu bestimmen, während der TSV sich unter Druck viele Fehler leistete.

Bis kurz vor der Halbzeitpause konnte Raynor Parkinson mit drei weiteren Straftritten auf 19:0 erhöhen, der Löwen-Anhang wartete sehnlichst auf ein Lebenszeichen seiner Helden. Als ein Frankfurter Stürmer nach einem Ruck-Vergehen für zehn Minuten vom Feld musste, sollte dieses endlich kommen. Mit aller Gewalt wuchtete sich Jaco Otto für die Löwen über die Linie und stellte so den 7:19 Pausenstand aus Sicht der Gastgeber her.

Kurz nach der Pause dann endlich das erwartet druckvolle Spiel der Gastgeber - es sollte die stärkste Phase der Löwen werden, die sich in der Folge auf das 21:22 heranarbeiteten.  Erst schaltete Innen Atu Katoa in einer unübersichtlichen Situation am schnellsten schaltete und zum Versuch durchbrach. Als der eingewechselte Vincent Spieß dann die Löwen auf nur noch zwei Zähler heranbrachte, hätte man meinen können, dass der TSV hier als Sieger vom Platz gehen würde.

Doch es sollte bekanntlich anders kommen. Fast mit dem direkten Gegenzug kam Frankfurt zum zweiten Versuch, als sich der kenianische Außen der 1880er Minjire durch die Löwen-Defensive tanzte und zum 29:21 ablegte. Ein Paket, erfolgreich abgeschlossen von Nationalstürmer Marcel Henn, schien das Löwen-Schicksal beim Stand von 36:21 für die Gäste mit einer Viertelstunde auf der Uhr zu besiegeln.

Benny Müßig gab dem Heim-Anhang noch ein letztes Mal Hoffnung, indem er einen sehenswerten Löwen-Angriff vollendete und somit auf zehn Zähler verkürzte. Aber zwei Parkinson-Penalties, Nummer sieben und acht des Spiels, besiegelten das Löwen-Schicksal endgültig. Frankfurt und die mitgereisten Anhänger feiern und haben so im Bundesliga-Halbfinale in zwei Wochen Heimrecht gegen den Berliner RC, während die Löwen zu Hannover 78 reisen müssen. Für beide Teams geht es also weiter um den Titel - für die Löwen wäre es erste der Zweite nach 1957.

Aus neutraler Sicht war die gute Nachricht aber eine ganz andere: Mouritz Botha, Sturmtrainer der Nationalmannschaft, zählte zu den Zuschauern im Lions Park und freute sich gegenüber TR über das hohe Niveau des Topspiels: „Es war gut so ein hochklassiges Duell zu sehen. Einige unserer Nationalspieler haben wirklich großartige Leistungen abgeliefert. Das ist ein gutes Zeichen mit Blick auf das anstehende Relegationsspiel gegen Portugal.“

RK Heusenstamm 41 - 17 RG Heidelberg

Es war der erhoffte Sieg im letzten Saisonspiel für die Füchse, der eine aus Heusenstammer Sicht tolle Saison beendet, in der der Klassenerhalt bereits früh eingefahren werden konnte. So zeigte sich auch Füchse-Coach Jens Steinweg im Gespräch mit TR hocherfreut: „Den abschließenden Sieg haben die Jungs gebraucht, denn eigentlich wären noch ein paar Punkte mehr drin gewesen in der Rückrunde und ein Sieg gegen die RGH ist immer etwas Besonders.“

Seine Füchse hatten gegen einer weiter personell auf dem Zahnfleisch gehende Rudergesellschaft früh unter Druck gesetzt - gerade Patrick Weber, der sich zum ersten Versuch durch die orangenen Reihen tänzelte, verdiente sich ein Sonderlob seines Coaches. Viel Arbeit erledigte aber wie gewohnt auch der Füchse-Sturm, der den Heimanhang zwei Mal Grund zu Jubeln gab. Heusenstamms-Hakler Gennaro konnte den Pausenstand von 19:5 nach dem zwischenzeitlichen Anschluss durch mehrere Pick-and-Go-Phasen der Orange Hearts herstellen.

Nach der Pause dann direkt der nächste Streich durch Marc Andre Bettner, nach einer sehenswerten Kombination von Heusenstamms Dreiviertelreihe, die der Eckdreiviertel abschließen konnte. Als Patrick Baumann dann mit Versuch Nummer fünf auf 29:5 erhöhte, wurde es aus Gästesicht langsam bitter.

Fast ebenso großer Jubel kam auf, als mit 20 Minuten auf der Uhr Jakob Seifert beim RKH eingewechselt wurde. Der Gründer und Betreiber der berühmt-berüchtigten Einladungsmannschaft Bataillon d’Amour kehrt den Füchsen den Rücken und lief gegen die RGH zum letzten Mal auf. In der kommenden Saison wird Seifert für den Zweitligisten RC Mainz auflaufen.  

In der Schlussphase dann ging es trotz feststehendem Ausgang noch munter hin und her. Weitere Versuche, zwei für den RKH und einer für die RGH, stellten den Endstand von 41:17 her. Für die RGH geht damit eine Rückrunde zum Vergessen - zwei Siege, gegen die beiden schlechtesten Teams des Südens und vier Niederlagen sind die magere Bilanz der Orange Hearts.

Den Ausfall ihrer für die Olmypia-Quali gesperrten Siebener-Asse konnten die Heidelberger nie richtig verkraften konnten. Jedoch konnten einige RGH-Youngster wichtige Erfahrungen in der Bundesliga sammeln - so dürfte Coach Jeff Tigere nach der Sommerpause, wenn seine Siebener-Jungs wieder in Orange auflaufen, deutlich mehr Auswahl zur Verfügung haben.

SG TV CfR Pforzheim 50 - 45 Neckarsulmer

Ganze 95 Punkte fielen im Duell der beiden in dieser Saison letztplatzierten Süd-Teams, ein Duell was sprichwörtlich mit offenem Visier geführt wurde, mit dem knapp besseren Ausgang für die Gastgeber. Während die Goldstädter nun sieben Wochen Leerlauf vor der Brust haben, bis es gegen ein Zweitliga-Team um den Klassenerhalt geht, steht bei Neckarsulm der Gang in Liga zwei bereits fest. Zudem war es das letzte Spiel von Coach Mark Kuhlmann, der zum Abschied einen richtigen Rugby-Thriller von seinen Jungs geboten bekommen hat.

Der Hannoveraner gab nach der Partie gegenüber TR zu Protokoll: „Es war wirklich ein gutes Spiel. Es ging immer hin und her. Trotz des hohen Resultats wurde hart verteidigt. Auf beiden Seiten wurde mit jedem Ball angegriffen.“ Mit Blick auf die Leistung seiner Truppe ergänzte Kuhlmann: „Ja, meine Jungs haben mich stolz gemacht. Den wirklichen Unterschied hat Tafadzwa Chitokwindo gemacht. Der war sensationell.“

Das vorerst letzte Team-Foto der NSU aus der Bundesliga

Tatsächlich war es wieder Mal der Siebener-Nationalspieler Simbabwes, der dem TVP den Allerwertesten rettete. Zwar legte dieses Mal nur einen Versuch, steckte aber gefühlt hinter jedem nennenswerten Angriff der Rhinos. Den wohl anstrengendsten Job hatte derweil hatte der Pforzheimer, der die Anzeigetafel alle 2 Minuten umstellen musste. Neben diesen beiden Herren konnten sich noch Chitokwindos Landsmann Josh Gando, sowie der neuseeländischer Dritte-Reihe-Stürmer Lee Murray mit jeweils zwei Versuchen und im Fall von Flanker Murray mit viel Drecksarbeit in den Offenen auszeichnen.

Pforzheims neuseeländischer Trainer John Willis betonte nach dem Abpfiff: „Ich bin recht glücklich mit diesem Sieg, denn es war ein harter Kampf gegen ein stark dagegen haltendes NSU-Team. Aber wir schafften es, den letzten, entscheidenden Versuch zu legen und hielten in den letzten Minuten unsere Verteidigungslinie zusammen.“ Willis hatte seinen Jungs in diesem zumindest für die Tabelle bedeutungslosen Spiel freie Hand gewährt und auf detaillierte taktische Anweisung verzichtet - sein Fazit nach einem turbulenten und sehenswerten Spiel: „So macht Rugby Spaß!“

Der Blick der Pforzheimer richtet sich nun auf den 6. Juli - dann nämlich steht das Relegationsspiel an, in dem sich entscheidet, ob die Rhinos auch kommende Saison im Oberhaus stehen. Für Team-Manager Jens Poff zumindest muss es für die Goldstädter in Liga eins weitergehen. Mögliche Gegner in der Relegation dürften Hausen oder Rottweil sein - mit einem Tafadzwa Chitokwindo in blendender Form sicher eine lösbare Aufgabe.

Neckarsulm spielt nächste Saison in der zweiten Bundesliga weiter und zählt dort sicherlich zu den Favoriten, doch so ganz ist diese Saison noch nicht beendet. Denn nachdem bereits die letzte Sommerpause für die NSU um einen Monat durch den ungeliebten DRV-Pokal verkürzt wurde, steht für Neckarsulm nun noch ein Auswärtsspiel im neu geschaffenen Bundesliga Cup an, bei dem die Teams aus dem Mittelfeld beider Staffeln gegeneinander antreten.

Beim DRV- und Ligapokal war in Gesprächen mit Vereinsverantwortlichen der Rugby-Republik des öfteren „unnötig wie ein Kropf“ und dergleichen zu hören - ob die Neckarsulmer ihre am 1. Juni anstehende 600 km weite Auswärtsfahrt zum RK 03 Berlin eher begrüßen, bleibt abzuwarten.

Heidelberger RK 111 - 7 RC Luxemburg

Rein tabellarisch ging es auch in diesem Spiel zumindest für die Luxemburger Gäste um rein gar nichts mehr und man mag fast bemängeln, dass die Himmelblauen gegen einen in der Rückrunde wiedererstarkten Klub auch so spielten. Der HRK hatte damit rechnen müssen, im Falle einer Niederlage den erst vor kurzem von der RGH eroberten dritten Platz zu verlieren. Bekanntlich scheiterten die Orange Hearts im Parallelspiel in Heusenstamm - doch beim HRK war man nicht bereit Kompromisse einzugehen, oder sich auf andere Ergebnisse zu verlassen.

Insgesamt 17 Versuche bescherten dem Klub im letzen Spiel als amtierender Titelträger den bis dato höchsten Saisonsieg - so mancher Klub-Anhänger mag sich an die guten alten Zeiten erinnert haben, als solche Ergebnisse häufiger die Anzeigetafel der Klub-Anlange am Heidelberger Harbigweg zierten. Ein absoluter Leistungsträger dieser dominanten Klub-Ära ist Julio Rodriguez - der Venezolaner ist ein absoluter Dauerbrenner in der zweiten Sturmreihe und durfte am Samstag bei seinem Abschied als Kapitän auflaufen.

Passenderweise war es der 37-jährige Routinier, der nach zehn Jahren im Zebra-Trikot den Schlusspunkt setzte - zwei Mal sozusagen. Als alle dachten die Uhr sei bereits abgelaufen kickte der Venezolaner die Erhöhung für einen Vollenkemper-Tradition, aber das Schiri-Gespann pfiff noch ein Mal an und so kam Rodriguez noch auf einen verdienten Versuch und eine weitere Erhöhung. Ein Abschied nach Maß für Rodriguez.

 

Gleich drei Abschiede beim Klub: Die Stürmer Julio Rodriguez, Timo Vollenkemper und Team-Manager Satzke


Doch es war nicht nur Rodriguez, der sein letztes Spiel in Klub-Farben absolvierte. Sturm-Partner Timo Vollenkemper zieht es Richtung ostwestfälische Heimat und damit geht die Bundesliga-Karriere des Blondschopfs nach Stationen in Frankfurt, Pforzheim und beim Klub wohl zu Ende. Zumindest vorerst, denn Vollenkempers Heimatklub, der TV Wiedenbrück aus Deutschlands Fleisch-Hauptstadt Rheda-Wiedenbrück ist aktuell nur drittklassig unterwegs. Der letzte Abschied erfolgte indes vom langjährigen Klub-Team-Manager Heiko Satzke, der sich mit seiner Hingabe für den Klub ebenso Sonderlob von Mannschaft und Verein zum Abschied verdient hatte.

Abgesehen von den Abschieden sorgten auf dem künstlichen HRK-Grün vor allem Steffen Liebig mit fünf und Felix Lammers mit vier Versuchen für mächtig Wirbel in der Luxemburger Defensive, die dem Klub-Ansturm zu keinem Zeitpunkt etwas entgegenzusetzen hatte. Für den Klub ist die Bundesliga-Saison damit beendet, versöhnlich könnte man meinen, nachdem die Hinrunde doch stark unter dem personellen Aderlass des vergangenen Sommers litt. Jedoch geht es für den Klub noch im Bundesliga-Cup weiter - dort gastiert Nord-Absteiger Sankt Pauli am Harbigweg.

Nord / Ost

Tabelle

Rang Team Spiele Punkte Differenz
1 Hannover 78
14 65 +477
2 Berliner RC
14 56 +275
3 RK 03 Berlin
14 45 -81
4 RC Leipzig 14 39
+96
5 SC Germania List
14 36 -47
6 RC Berlin Grizzlies
14 29 -117
7 Hamburger RC
14 20 -255
8 FC St. Pauli
14 12 -348

RK 03 Berlin 21 - 19 RC Leipzig

Das sicherlich spannendste Spiel des letzten regulären Bundesliga-Wochenendes gab es an der Berliner Buschallee zu bestaunen. Dort ging es für die beiden erfolgreichen Ost-Klubs im direkten Duell um den dritten Platz im Norden - am Ende mit dem knapp besseren Ende für den heimischen RK. Dabei hätte man zumindest zum Auftakt der Partie bei perfekten äußeren Bedingungen meinen können, dass die Hauptstädter eine klare Angelegenheit daraus machen würden. Eine schnelle RK-Kombination, abgeschlossen von Dobslaw, brachte die Gastgeber früh in Front. Achter Franz Müller konnte dann für Berlin erhöhen, indem er am Ende eines Paketes mit dem Leder im Arm über die Linie fiel.

Doch Leipzig zeigte sich alles andere als geschockt und kam durch ein Solo von Innendreiviertel Pule Sibiya zum 5:10 Anschluss. Plötzlich hatten die Gäste Oberwasser und dominierten das Geschehen - erst konnte der RK noch einen Leipziger Stürmer im Malfeld hochhalten, doch als Sibiya erneut zum Solo ansetzte hatte Berlin keine Antwort. Leipzig hatte das Spiel innerhalb weniger Minuten gedreht und war kurz vor der Pause drauf und dran Versuch Nummer drei zu legen - scheiterte aber mit mehreren Angriffen in Berlins 22, so dass es „nur“ mit einer 14:10 Führung der Gäste in die Pause ging.

Beim RK muss es im Intervall ein paar klare Worte gegeben haben, denn die Gastgeber starteten erneut klar besser in Durchgang zwei und holten sich über Mark Frese die Führung zurück. Nur Minuten später klingelte es dann erneut im Leipziger Malfeld, als RK-Kapitän Falk Duwe für den vierten Versuch sorgte und erstmals konnte Lépinard auch erhöhen. Leipzig lag nun mit acht Zählern hinten und kam erst in der Schlussphase noch Mal so richtig auf - der überfällige Versuch fiel aber erst mit der letzten Aktion, so dass der RCL zwar verkürzen konnte, aber nicht mehr ausgleichen.

Dieser wichtige Sieg sicherte Berlin den dritten Rang, genau wie im Vorjahr und trotz klar schlechterer Punktedifferenz als der RCL. In Leipzig ist man mit der Saison dennoch zufrieden, nachdem im Vorjahr der Klassenerhalt eine absolute Zitterpartie war. Für beide Teams steht nun jeweils noch ein Spiel im Bundesliga Cup an, jeweils daheim: Berlin empfängt Süd-Absteiger Neckarsulm und Leipzig den West-Vertreter aus Luxemburg - für beide Gast-Mannschaften über 600 km Anfahrt - nach den vielen Absagen im DRV- und Ligapokal letzte Saison dürfte man gespannt sein, ob es dieses Mal eine ähnliche Entwicklung gibt.

Hamburger RC 12 - 17 Berliner Rugby Club

Der Hamburger RC muss in die Relegation, das stand schon vor dem Duell mit dem BRC fest. Auch die Berliner wussten bereits vor Anpfiff, dass im Halbfinale eine Auswärtstour in den Süden der Republik ansteht. Dementsprechend nutzten die Hauptstädter das Gastspiel an der Alster, um ein paar Stammkräfte zu schonen. Dadurch gestaltete sich das Spiel weitaus offener, als man es anhand des Tabellenstandes vermuten würde.

Berlin kam mit Verspätung in der Hansestadt an und war gefühlt im ersten Durchgang nur körperlich auf dem Platz. Doch der HRC wusste nur ein Mal Kapital daraus zu schlagen, als Gedrängehalb und Co-Kapitän Andreas Pfeffer nach einem Offenen am schnellsten reagierte und durch eine Lücke zum Versuch einlief. Direkt nach der Pause konnte der HRC gar erhöhen, als der eingewechselte Pradelles den zweiten HRC-Versuch besorgte und auf 12:3 erhöhte.

Hamburgs Andreas Pfeffer mit der zwischenzeitlichen 12:3 Führung

Doch so einfach wollte es der BRC dem Vorletzten nicht machen und drehte das Spiel innerhalb von vier Minuten mit zwei Versuchen. Dieser Zwischenspurt sollte am Ende reichen - der HRC konnte in der Schlussphase konditionell nicht mehr zulegen und musste so die knappe und gefühlt unverdiente Heimpleite hinnehmen. Erst im Juli geht es dann weiter im Relegationsspiel um den Klassenerhalt. Der BRC reist derweil zu Frankfurt 1880 um im Bundesliga-Finale erstmals seit einer Weile die Vereinsfarben zu vertreten.

Hannover 78 75 - 0 FC St Pauli

Hannover 78 hat sich gegen Absteiger Pauli keine Blöße gegeben und im 14 Spiel der regulären Saison den 13 Sieg eingefahren. Für beide Teams stand das Schicksal jedoch bereits zuvor fest: Pauli muss den bitteren Weg in Liga zwei angehen, während 78 im Halbfinale in zwei Wochen den TSV Handschuhsheim empfängt. So richtig Spannung wollte zumindest am Samstag nie aufkommen. Simm, zwei Mal Jan Piosik, sowie Schippe sicherten Hannover 78 schon nach 20 Minuten den Offensiv-Bonus. Bis zur Pause sollte noch ein Versuch durch Außen Liam Boese zum 35:0 folgen, doch gegen Ende des ersten Durchgang schlichen sich zusehends Fehler bei 78 ein.

Einige Wechsel, Leistungsträger Kopp und Windolf erhielten Verschnaufpausen, brachten neuen Schwung bei 78. Simm, Windolf und Rosenthal schraubten das Ergebnis über die 50-Punkte-Marke - Schorr, Breuste, und zwei Mal Schippe besorgten schließlich den Endstand in einem Spiel, das Pauli nie unter Kontrolle bekam, da das Tempo der 78er schlicht zu hoch war. Mit dem TSV Handschuhsheim kommt bekanntlich demnächst ein Gegner eines ganz anderen Kalibers an den schnellen Graben. Pauli darf aber trotz Bundesliga-Saisonende noch nicht in die Sommerpause - es steht schließlich noch das Bundesliga-Cup-Match beim HRK in zwei Wochen an. Für den Absteiger sicherlich nicht die willkommenste Auswärtstour - knapp 600 km zum Süd-Spitzenklub zu reisen, bevor es in der kommenden Saison gegen Bremen 1860 und den DRC Hannover geht.

Berlin Grizzlies 40 - 7 SC Germania List

Mit der Rückrunde können wohl weder die Grizzlies, als die SC Germania List zufrieden sein. Waren beide Teams doch zum Jahreswechsel noch Kandidaten für Rang drei bzw. im Fall von Germania gar für die Playoffs, müssen sie sich nun mit Platz fünf und sechs zufrieden geben. Gerade der Einbruch der Hannoveraner ist spektakulär, hat aber seine gut bekannten Gründe. Mit zunehmenden Verletzungssorgen und der Abstellung der eigenen Siebener-Nationalspieler kam die SCG schlicht nicht zurecht, analog zur RGH im Süden. Die Germanen werden sich im Sommer sammeln müssen und die Kadertiefe wird die Hauptbaustelle sein müssen. Dass man den Bundesliga-Cup abgesagt hat, ist da nur logisch.

Aus Grizzlies-Sicht ist die wichtigste Botschaft, dass man schlussendlich ohne größere Sorgen den Klassenerhalt geschafft hat. Das Team von Ian Fowler kann in nächsten Saison dann eventuell gar höhere Weihen anstreben.

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Letzte Aktualisierung ( Montag, 20. Mai 2019 )