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Auftakt zur besten Frauen-WM jemals in Irland - England mit der Favoritenbürde
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Geschrieben von TotalRugby Team   
Mittwoch, 9. August 2017

Gruppenbild mit Irlands Taioseach - die Kapitänninen der WM-Teams. Foto (c) World Rugby Instagram
Gruppenbild mit Irlands Taioseach - die Kapitänninen der WM-Teams. Foto (c) World Rugby Instagram

Manch einer wird sich verwundert fragen: Die letzte WM in Frankreich ist doch gerade erst drei Jahre her, wieso spielen die bereits schon wieder? Doch in den Gremien World Rugby ist man zu der Überzeugung gekommen, dass die Damen ebenso in ungeraden Jahren spielen sollten, um während der olympia- und fußballfreien Zeit mehr Aufmerksamkeit generieren zu können. Und tatsächlich war dies in den letzten Tagen vermehrt der Fall, wenn auch nicht immer mit positiven Schlagzeilen.

Das Turnier in Irland jedenfalls wird in den kommenden 17 Tagen in Dublin und Belfast ausgespielt - Finalort ist das schmucke 20.000 fassende Stadion von Ulster Rugby, das Kingspan Stadium. Unter Experten gilt das Spielniveau als so hoch, wie noch nie zuvor. Zum Auftakt wurden die Kapitäninnen der zwölf teilnehmenden Nationen gar beim Taoiseach Irlands (in etwa Premierminister/Kanzler) empfangen.

Seit der Erstausgabe 1991 ist dies die achte Ausgabe des Turniers. Um zu verdeutlichen welchen Sprung das Frauen-Rugby seit den Anfängen gemacht hat, muss man sich lediglich zwei Fakten vor Augen führen. Zum ersten Turnier schickte der neuseeländische Verband NZRU keine offizielle Mannschaft, einige Spielerinnen organisierten den Trip nach Wales selbst und erhielten so auch keine Caps für gespielte Länderspiele. Frankreichs Verband FFR finanzierte seinen Spielerinnen zwar den Trip, vergab jedoch ebensowenig Caps für die Partien.

Noch schlimmer traf es die Spielerinnen der damaligen Sowjet-Auswahl, deren Land sich zum Zeitpunkt des Turniers gerade in Auflösung befand. Einem Bericht des britischen Guardians zufolge konnten sich die Rugby-Begeisterten Ladies aus dem Sowjetreich geradeso die Anreise nach Wales leisten und mussten sich dort mit dem Verkauf von Wodka und anderen Naturalien über Wasser halten, bis schließlich einige großzügige Spender ermöglichten, dass die Mannschaft sich auf das Sportliche konzentrieren konnte.

 

Wie bei der WM 1991 trafen England und Spanien im ersten Spiel aufeinander - mit dem gleichen Ergebnis



Das diesjährige Turnier ist deutlich professioneller organisiert, sportlich wertvoller und erreicht ein vielfaches an Aufmerksamkeit in den Medien. Sicherlich hilft dabei auch die Tatsache, dass das Rollenverständnis in den meisten Ländern im Verlauf der letzten 26 Jahren deutlich liberaler geworden ist. Dementsprechend gab es in England einen öffentlichen Aufschrei als bekannt wurde, dass ein großer Teil der einzigen komplett professionell organisierten Mannschaft ihren Job nach der WM verlieren würden. Der englische Verband RFU begründete diesen Schritt mit dem zunehmenden Fokus auf das Siebener-Rugby und kündigte an den Kader vor der nächsten WM wieder komplett unter Vertrag nehmen zu wollen, um eine professionelle Vorbereitung zu ermöglichen.

Selbst im britischen Parlament wurde dieses Thema heiß diskutiert und für den reichsten Rugby-Verband der Welt wurde diese Affäre zu einem regelrechten PR-Desaster. Doch was das Extra an Professionalität bringt ist offensichtlich - Titelverteidiger England ist haushoher Favorit, auch nachdem man Mitfavoriten Neuseeland im Juni auswärts schlagen konnte. Zwar profitieren die Black Ferns nun in Irland von der Rückkehr des Superstars Portia Woodman, doch befinden sich in Neuseelands Kader ebenso zahlreiche Spielerinnen, die für ihren Lebenserwerb einer regulären Beschäftigung nachgehen müssen. Ein deutlicher Nachteil England gegenüber. 

Analog zum Herren-Rugby liegen die Stärken der Engländerinnen ebenso im Sturmspiel, während Neuseelands Black Ferns oftmals mit guten Kombinationen schön herausgespielte Versuche quer übers Feld erzielen können. Englands Nummer acht und Spielführerin - die Weltspielerin des Jahres Sarah Hunter - führte ihre Truppe heute auch wenig überraschend zu einem ungefährdeten 56:5 Sieg über Spanien. Wobei es sich England sogar leisten konnte einige Spieler, wie Siebener-Star Emily Scarrat, zu schonen.

 

Auch Neuseelands Frauen erwarten Ihre Gegnerinnen vor jedem Spiel mit einem Haka



Eine noch deutliche Klatsche kassierten die Damen aus Hongkong, die beim 0:98 gegen die kanadischen Vizeweltmeisterinnen von 2014 nur knapp den blamablen 100 Punkten gegen sich entgehen konnten. Die Kanadierinnen haben ebenso wie Frankreich, die Japan heute wenig überzeugend mit 29:7 schlagen konnten, Außenseiterchancen auf den Titel. Auch Gastgeber Irland hat seine Anstrengungen im Frauen-Rugby deutlich verstärkt, was sich heute in einem engen Auftaktsieg gegen Australien mit 19:17 auszahlte.

Doch noch sind die Ungleichgewichte im Frauen-Rugby zu stark ausgeprägt. Die beiden Top-Teams England und Neuseeland spielen in einer Liga für sich, während hinter den Top 5 das Niveau sehr schnell verflacht. Im Frauen-Rugby ist die Balance zwischen Fünfzehner und Siebener-Rugby noch nicht austariert, wie das bei den Herren zunehmend der Fall ist. Bei einigen Mannschaften gab es in den letzten Jahren Querelen, da sich die Verbände eher auf das prestigeträchtige Olympia und damit auf die Siebener-Variante konzentrieren. Auch wenn Australien insbesondere vom Speed und der Technik ihrer professionell spielenden Siebener-Cracks profitieren, fehlt den Ladies eine ordentliche Vorbereitung auf das Fünfzehner.

 

Begeisterung für die Heimmannschaft Irland in Dublin



Erst wenn die Frauen-WM weiter wächst und an Ansehen gewinnt, dürfte sich dieser Umstand ändern. Denn während die Halbfinal- und Finalspiele im großen Stadion zu Belfast ausgetragen werden, fanden die heutigen Auftaktpartien noch im beschaulichen Universitäts-Stadion des University College Dublin statt. Immerhin ist die TV-Präsenz in den Rugby-Kernländern deutlich verbessert. Die öffentlichen Anstalten France Television und RTE übertragen genauso wie ITV in England. Auch große Sponsoren, die bereits im Herren-Rugby engagiert sind, wie Land Rover unterstützen das Frauen-Turnier. Auch eine gewisse deutsche Supermarkt-Kette namens Aldi ist auf den Sponsoren-Tafeln und Banden immer wieder zu sehen. Für das Frauen-Rugby scheint der Weg trotz einiger Rückschläge vorgezeichnet: Es geht weiter nach oben, vielleicht auch verstärkt hierzulande.

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Kommentare (4)add comment

Mark Temme said:

2014
Live Übertragung?
Weiß jemand wo das live übetragen wird? Auf welchem Sender?
August 12, 2017

Riemi R. said:

3754
Vielleicht hier.
https://www.rwcwomens.com/
Da Germany nicht in der TV Senderliste zu finden ist, hoffe ich auf eine Online-Liveübertragung von dieser Seite.
August 12, 2017

Ralf Scharnagl said:

3020
Ergebniskorrektur
Das Spiel Frankreich gegen Japan endete nicht wie im Artikel angegeben mit 29:7, sondern mit 72:14 für Frankreich.

Die Spiele der Französinnen werden auf France 4 live übertragen.
August 12, 2017

tim spengler said:

2957
...
die spiele waren bis jetzt alle live über den facebook account von world rugby zu sehen. die nächsten vermutlich auch.
August 12, 2017

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